1:7 - eine dicke Packung

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Seggebruch...

 
Dahl

Welche eine Dienstagnacht vor vier Tagen! Die deutschen Fußballer verpassten den Brasilianern eine mächtige Niederlage. Das so hoch verlorene Halbfinalspiel der Fußballweltmeisterschaft muss den Südamerikanern in der Seele wehtun.
Ich kann ein bisschen mit den Brasilianern mitfühlen. Auch unsere Süderender Dorfmannschaft verlor damals mit 1:7 gegen die Mannschaft aus dem Nachbardorf Utersum, als ich als Kind zum ersten Mal ein richtiges neunzigminütiges Spiel miterlebte. Wir hatten unsere Fußballer während des Spieles immer wieder angefeuert, aber es hatte nicht geholfen. Mit hängenden Ohren radelten wir wieder nach Hause. Unsere Spieler mochten die Sieger später auch nicht zu einer Revanche herausfordern,- so weh hatte die Niederlage getan.
Das 1:7 der Brasilianer drückt wohl auch das Lebensgefühl vieler aus: Es gibt Menschen, die einen Treffer nach dem anderen einstecken müssen – innerhalb kurzer Zeit: Erkrankung, Kündigung, Unwetterschaden, Todesfall in der Familie, Zerbrechen einer Liebe, Scheitern bei einer Prüfung, schwerer Unfall. Wie kann man das verkraften?
Wie kann man das verarbeiten? Ich glaube, mehrere brasilianische Fußballer machen es richtig: Das Fernsehen zeigte, dass sie Gesten ausführen, wie wir sie von deutschen Fußballplätzen kaum kennen. Mit Bekreuzigen oder anderen Handbewegungen vergewissern die Spieler sich. Sie sprechen zu Gott, zu Jesus, zu Maria. Sie reden sich in der Zeitspanne von nur wenigen Momenten das von der Seele, was sie ängstet und belastet. So entsteht in ihnen wieder ein Gleichgewicht. Sie gewinnen wieder das Vertrauen, dass der Himmel bald helfen wird, mit allem auf der Erde zurechtzukommen – ob Sieg, ob Niederlage. Das befreit.
Und darf das Erreichen von Platz 2 oder 3 oder 4 dieser Fußballweltmeisterschaft nicht auch als ein sehr, sehr guter Erfolg gelten? Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Anschauen der beiden abschließenden Spiele dieser Weltmeisterschaft. Ja, Fußball ähnelt sehr dem wirklichen Leben.

Ernst Martin Dahl, Pastor in Seggebruch