Adventsüberraschung

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

Mit diesem Bild hatte ich in der Adventszeit nicht gerechnet: Sophia Thomalla hängt – leicht geschürzt – am Kreuz, gebunden an Händen und Füßen. So geht es gerade als Werbebild der „Lottohelden“ durch die Medien. Ich frage mich: Müssen wir Christen das ertragen? Was denken Sie? Ich meine: Ja!

Zum ersten, weil die Kampagne ja darauf zielt, einen möglichst großen Skandal zu entfachen: Alles was Aufre-gung, Streit und Konflikt erregt, bringt im selben Maß eben auch Geld ein. Diesen Gefallen sollten wir Frau Thomalla und den Machern der Kampagne nicht tun.

Zweitens denke ich an das erste (und damit älteste) Bild des christlichen Glaubens: Eine in Stein geritzte etwas ungelenke Zeichnung, die einen Menschen mit Eselskopf am Kreuz zeigt. Darunter steht: „Alexamenos betet seinen Gott an!“ Die Verhöhnung ist das älteste Bild unseres Glaubens und Spott hat die Christenheit lange begleitet. Ich meine, solche Zeiten stünden dem Christentum besser zu Gesicht als die, in denen es Macht und Glanz und Gewalt entfaltet.
Darüber hinaus enthüllt (im wahrsten Sinne des Wortes) das Bild der Sophia Thomalla die Selbstüberhöhung des Menschen und die Anbetung der sexuellen Attraktion als die geheimen Antriebskräfte unserer Gesellschaft.

Und so leuchtet mir am Ende wieder neu die alte Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem ein. Sie ist keine kindlich-naive Legende, sondern eine präzise Botschaft: In solch einer Welt wie der unseren hat Gott gar keine Chance mehr, zur Geltung zu kommen. Da bleibt ihm nur: ganz im Abseits, ganz im Dunklen, ganz im Kleinen zu erscheinen und zu hoffen, dass wenigstens die Ärmsten unter den Armen, die Verzweifeltsten unter den Hoffnungslosen und die an ihrer Selbstüberhöhung Leidenden ihn finden und erkennen.

Frohe Weihnachten also, liebe Mitchristen! Lasst Euch nicht irritieren und provozieren. Wir gehen an die Krippe. Wir stehen bei Gott in seinem Leiden an der Menschheit. Und wir stehen zu seinem Kind, unserm Herrn. Hier ist Freude, hier ist Licht, hier ist Wahrheit.

Reiner Rinne, Superintendent i.R. Bückeburg