Alles hat seine Zeit…

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Hagenburg...

 
Sandrock

Ich hasse den Moment, wenn der erste Radiomoderator darauf hinweist, dass es nur noch 100 oder 90 Tage bis Weihnachten sind. Anfang September war es wieder so weit.
Irgendwie fühle ich mich unter Druck: im Hintergrund taucht die Geschenkefrage auf, die Baumfrage, die Gemeindevorbereitungen, der Adventsbasar. Mancher kramt schon in den Steuerunterlagen, damit sie Anfang 2016 schnell zum Finanzamt kommen und wir schielen auch schon mal nach einem Ferienhaus für nächsten Sommer. Muss ja im Dezember gebucht werden, sonst sind die Guten alle weg.
Es ist, als ob mit dem Gedanken an Weihnachten eine Jahresendrallye einsetzt, der ich mich nicht entziehen kann. Und mit dem scheinbar schneller werdenden Ablauf ist natürlich die Frage nach dem Vergehen der Zeit überhaupt verbunden. Ist es schon wieder so weit? Ist wirklich wieder ein ganzes Jahr um?

Greifen die Medien und wir selbst so weit nach vorne mit dem, was uns beschäftigt, weil das „Jetzt und Hier“ immer weniger interessant ist, als das „Morgen“ und das „Dort“, oder liegt es schlicht an der Jahreszeit: diese letzten Sonnentage sind deutlich kürzer und werden abends kühl; Erntedank, das Fest der Fülle und der Farben, ist vorbei; jetzt kommt eine Reihe eher dunkler Sonn- und Feiertage. Es wird viele Gründe geben, warum wir mit unserer Seele auf der Zeitleiste eines Jahres so verschiebbar sind.

Die berühmte Sentenz aus dem Predigerbuch, „Alles hat seine Zeit“ (Kap. 3), hat einen faszinierend beruhigenden Rhythmus. Wenn alles seine Zeit hat, wenn alles, was kommen soll auch kommt und uns mit der Intensität beschäftigen wird, die Gott will und uns gönnt, natürlich auch das Schwere, dann hat unser Leben einen Takt, den wir nicht selbst bestimmen können. Ich will versuchen, dran zu denken, wenn der nächste Sprecher im Radio mit Weihnachten „droht“.

Axel Sandrock, Pastor in Altenhagen-Hagenburg