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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 
Jörg Böversen

Im Römerbrief im 14. Kapitel schreibt der Apostel Paulus einen tiefgründigen Satz: “Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende”. Ja, das stimmt. Sein Reich, seine neue Welt, um dessen Kommen wir Christen in jedem Vaterunser bitten, wird uns erreichen, ob wir dann bereits zu den Toten oder noch zu den Lebenden gehören. Er umfaßt alle und alles. Er ist der Herr! Wider alles Unrecht, allen Krieg und alle Grausamkeit, wider aller Ausbeutung und Unterdrückung, wider alle persönlichen Nöte: Christus ist Herr über Tote und Lebendige.

Es ist so wenig spürbar davon, sagen die einen. Die anderen: Wo soll Gottes Herrschaft spürbar sein bei allem Bösen in dieser Welt? Die Dritten: Ihr wollt uns bloß vertrösten; für eure Jenseits-Hoffnung können wir uns hier kein Brot kaufen.

Ich bin der tiefen Überzeugung, daß Gottes Zeichen heute nicht kleiner sind als zur Zeit des Paulus und der ersten Gemeinden.

Im persönlichen Bereich werden sie spürbar, wo Menschen einander in Offenheit begegnen und ein Stück Lebens- und Glaubensweg miteinander gehen und teilen. Sehr eindrücklich wurde mir dieses, bei einem Fernsehbericht über die aktuelle Flüchtlingskatastrophe in Italien. Helfer und Helferinnen des Roten Kreuzes bereiteten sich auf die Ankunft des Schiffes mit den Überlebenden und Toten des Schiffsunglücks vor. Mit großem persönlichen und emotionalen Einsatz waren sie dabei. Waren wütend, litten und weinten mit. Zur gleichen Zeit stellten ehemalige Flüchtlinge in einem Gemeindehaus Hilfspakete zusammen und zündeten eine Kerzen für die Hunderten von Toten ein einer Kirche an. Im politischen Bereich werden sie erlebbar, wo einmal nicht Macht oder Fortschritt, sondern das Bestreben um Menschlichkeit und Gerechtigkeit zum Umdenken zwingen. Im weltweiten Bereich gibt es sie da, wo Friedensbemühungen wirksam werden und Menschen sich um andere bemühen, ja sogar mit ihrem eigenen Leben dafür einstehen. Helfer und Helferinnen in den Ebola-Gebieten, in Afganistan und in den Flüchtlingscamps in den Krisengebieten unserer Welt. Christus ist der Garant für eine bessere, neue Welt, und er ist es, der den Weg darauf zu vorangegangen ist - aber, und das muß immer wieder neu bedacht werden: er ist ihn im Leiden, Verbluten und Sterben gegangen. Der Weg seiner Macht geht in die Tiefe. Er verbindet sich durch die Zeiten mit allen Leidenden dieser Welt. Das einzige Zeichen seiner Hoffnung ist, daß sie Bestand hat.

Darum ist es mein Wunsch: Mach uns, Herr, zu Lernenden, Teilenden und Liebenden, die das Zeichen deiner Hoffnung mit Leben füllen. Laß das unter uns geschehen in unserer Stadt, in unserem Land, über unsere Grenzen hinaus.

Jörg Böversen, Pastor in Stadthagen