An den Tod denken?

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Hagenburg...

„Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ (2. Timotheus 1,10b)

Jetzt schon an den Tod denken? Gut, die dunkle Jahreszeit kommt, auch wenn sich gerade die Hochs über Mitteleuropa drängen. Andererseits: ein Kollege ist schon im vorzeitigen Ruhestand: überraschend für uns alle, nach zwei Infarkten. Mutters Tod im Frühjahr, die Nachricht vom Ende unseres Vaters, kann jeden Moment eintreffen.

Aber wirklich jetzt schon an den Tod denken? - Lieber nicht.
Doch! Hätte Martin Luther gesagt, sogar jeden Tag. Nicht um sich zu fürchten oder kleinlaut zu werden, sondern um die Freiheit zu genießen, dass der Tod seine Macht verloren hat. Jeden Tag an den Tod denken, um das Leben zu feiern; hätte Luther gesagt.

Ehrlicherweise sei hinzugefügt, dass Luther da nicht Ballermannfeten im Kopf hatte. Das Leben, das es zu feiern gilt, ist für Luther nicht das des eigenen Verdienstes, nicht das der Karriere; auch nicht die Feier dessen, was das Leben selber erreicht hat. Also doch keine Sektkorken?
Doch, aber für jenes Leben, das wir geschenkt bekommen haben, für das wir nichts getan und geleistet haben. Und diesem Leben kommt Gottes Botschaft entgegen, dass er es aufwecken kann auf eine Weise, vor der Tod blass wird.

Dieses Wecken geschieht übrigens ständig, immer wenn uns Gottes Wort in der Tiefe unserer Seele erreicht. Jetzt, sofort, ganz sicher in unserem bisherigen Leben und sicher noch oft in Zukunft - und dann wenn wir schon glauben, der Verfall dieser vergänglichen Körperzellen sei die letzte Botschaft über uns. Als Ermutigung zum Leben, als Widerstand gegen das Böse, als Mitmachen am Gottesreich und seinen weltlichen Filialen, unseren Gemeinden und als Vorfreude auf das, was dann kommt.

Axel Sandrock, Pastor in Altenhagen-Hagenburg