Bibelsonntag

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Hagenburg...

Der letzte Sonntag in diesem Monat ist Bibelsonntag. Das ist so, weil die Württembergische Bibelanstalt zusammen mit dem Arbeitskreis christlicher Kirchen es vorgeschlagen hat. Nun könnte man meinen, dass das unnötig sei,  weil entweder jeder Sonntag Bibelsonntag ist, jedenfalls für die Kirchgänger, oder eben das sowieso keinen interessiert, den die Bibel auch sonst kalt lässt.

Aber die Württemberger Gesellschaft, 1814 gegründet, um die Bibel so billig wie möglich und - ganz unschwäbisch großzügig -, wenn nötig, ganz umsonst zu verbreiten, sieht bis heute genug Grund, diese Aufgabe nicht aufzugeben. Nun sind im Moment nicht Deutschland und Europa, sondern andere Ecken in der Welt Ziel dieses Anliegens, weil man das Buch der Bücher ja hier erstens mühelos und zweitens schon für unter 10 Euro bekommt (ein Seitenpreis von deutlich unter einem Cent!), aber die Schrift zu verbreiten, muss uns ein Anliegen bleiben.

Im Lutherreformationsjahr darf daran erinnert werden, dass es sich um die Gründungsakte unseres Glaubens handelt und damit um eine Art Grundgesetz: denn, wenn’s hart auf hart kommt, müssen wir mit diesem Buch in der Hand um die Wahrheit des Glaubens streiten. Was anderes zählt nicht.
Und auch wenn solches Streiten nicht so oft vorkommt - vielleicht auch deshalb weil es zuverlässige und sorgfältige Ausleger der Schrift in unsrem Land gibt - dann hat das Bild des streitbaren Luther mit dem dicken Buch in der Hand doch immer noch etwas beruhigend Schlichtes: wenn wir Christen streiten, dann mit Worten und nicht mit Schwertern, mit dem Bemühen zu verstehen, was da steht und nicht mit der Gewalt dessen, der seinen Sinn in die Schrift hineinlegt und nicht hinter schwarzen Tüchern vermummt, sondern offen.  Was für ein großartiges Unternehmen, das es sich leistet, dies sonntäglich von 20.000 Kanzeln zu versuchen - und was für ein Bollwerk mitten im sogenannt „postfaktischen“ Zeitalter.

Axel Sandrock, Pastor in Altenhagen-Hagenburg