Bildung öffnet Türen

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Dr. Wieland Kastning

Unter diesem Motto steht der „World-Thinking-Day 2014“, den die Pfadfinder am 22. Februar, dem Geburtstag ihres Gründers Baden-Powell, begehen. Anders als in Deutschland haben Kinder in vielen Ländern der Erde keinen Zugang zu Bildung. Kinderarbeit, Armut und Hunger prägen ihr Leben. Die Bildungschancen für Kinder weltweit zu bessern und auf noch bestehende Bildungshindernisse auch hierzulande aufmerksam zu machen treten Pfadfinder in diesen Tagen mit vielfältigen Aktionen an. In Bückeburg laden die Pfadfinder am Sonntagabend um 18 Uhr zum Gottesdienst unter dem Motto des World-Thinking-Day ein.

Kinder freuen sich, wenn sie lernen können. Im April 1961 wurde ich eingeschult. Das weite Land der Buchstaben, Wörter und Zahlen tat sich auf und beflügelte meinen Lerneifer in der Neugier auf die bis dahin in Büchern verschlossenen Welten. Kein mir bekannter Schüler brachte nennenswerte Kenntnisse im Lesen und Schreiben mit, und so betraten wir mit dem ersten Schritt durch die Schultür eine neue Welt. Lernen wurde zu einer spannenden Reise in einem wunderbaren Abenteuerland.

Bei ordentlichen Leistungen konnte der Wechsel auf die Realschule oder das Gymnasium erfolgen. Für meinen Jahrgang war das fast schon eine Selbstverständlichkeit. Einige Jahre zuvor hätte man noch Schulgeld zahlen müssen. Begabte Kinder aus wenig begüterten Elternhäusern konnten die höheren Schulen deshalb meist nicht besuchen. Mein 14 Jahre älterer Onkel machte ganz selbstverständlich den Volksschulabschluss, absolvierte eine Lehre und ging erst danach auf eine weiterführende Schule, deren Abschluss ihn zum Studium befähigte.

Bildung ist keine Ware, die man wie einen Gegenstand erwerben oder jemandem mit auf den Weg geben kann. Zugang zu Bildung zu haben ist vielmehr die Chance, das Leben unter Einschluss seiner selbst zu entdecken, zu verstehen und zu gestalten. So bildet sich Identität und damit auch die Möglichkeit, seine Begabung, seine Aufgabe, sein Platz im Leben zu entdecken. Es wäre deshalb fatal, würde die Schulzeit nur zum Erwerb von abfragbarem Wissen genutzt, das zur Prüfungsnote geronnen allein noch den Sinn hätte, Türen zu Ausbildung und Studium zu öffnen. 

1524 rief Martin Luther zur Einrichtung allgemein bildender Schulen auf. Aus seinem Bildungsimpuls folgten in den reformatorischen Gebieten wirtschaftliche Erfolgsgeschichten, die bis weit ins letzte Jahrhundert nachweisbar sind. Ursache für Luthers Bildungsinitiative war jedoch die Einsicht, jeder müsse die Bibel lesen, damit er selbst in Fragen des Glaubens urteilen kann. Allein das Wort des Gottes, der den Sünder liebt, soll den Menschen bilden und prägen. Nicht Menschenworte, die anderes über Gott lehren als in der Bibel steht, sollen ihn bestimmen und leiten. Denn der Mensch, geschult und gebildet durch Gottes eigenes Wort, weiß sich von Gott geliebt und angenommen. In der Bindung an Gott findet er seine Identität, wird er frei von der Sorge um sich selbst und frei zum Leben hier und jetzt. So ist Bildung des Glaubens wesentlich Begründung und Verwirklichung der Freiheit des Menschen. Dem Freien aber stehen alle Türen offen.

Pastor Dr. Wieland Kastning, Bückeburg