Brot für die Welt!

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Meinsen...

Traditionell gehört zu Beginn der Adventszeit in unseren Kirchen die biblische Lesung vom Einzug Jesu in Jerusalem dazu. Dabei sitzt er nicht auf hohem Ross und verzichtet auf die Insignien, mit denen mächtige Herrscher gerne ihren Anspruch demonstrieren. Dass Jesus derart aus der Rolle fallen würde, hat schon der Prophet Sacharja vorausgesehen: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“
Ein König wird da angekündigt, der sich nicht auf Kosten der Armen bereichert und der ihnen keine Opfer abverlangt. Stattdessen gibt er seine Privilegien auf und wechselt die Seiten. Indem sich Jesus demonstrativ einreiht bei den Armen, Gedemütigten, Ausgebeuteten und Abgehängten, beginnt unter ihnen das Friedensreich Gottes schon ein Stück Gestalt anzunehmen.
Jede der Kerzen, die wir im Advent entzünden, wird so zu einem Licht der Hoffnung für diejenigen, die im Elend leben. Wie können wir nun diesen König empfangen, der uns als Armer und Gerechter entgegenkommt?

Eine der vielfachen Antworten lautet: mit Brot für die Welt! Als Antwort auf diese Frage hoben die evangelischen Landes- und Freikirchen 1959 die Spenden-Sammelaktion in Berlin aus der Taufe. Der Wiederaufbau war fortgeschritten, in Westdeutschland folgte dem Wirtschaftswunder der Konsumrausch. Die Kirchen befürchteten, dass vor allem in der BRD der Tanz um das Goldene Kalb anderes verdrängen würde. Zum Beispiel das Bewusstsein, dass der rasche Aufschwung nach der Katastrophe ein Ergebnis internationaler Hilfe gewesen war.

Gleichzeitig rüttelten erschütternde Nachrichten über das Ausmaß der Armut im Süden die Öffentlichkeit auf. Fragen nach der ungleichen Verteilung von Gütern und nach Gerechtigkeit wurden aufgeworfen. Die Kirchen riefen die Gemeinden auf zu Solidarität mit den Hungernden und erinnerten an die Mitverantwortung für die Nöte in der Welt. Man wollte in der damaligen Situation von Nehmenden zu Gebenden werden - von Beschenkten zu Schenkenden.

Was 1959 als einmalige Aktion geplant war, stieß auf große Resonanz. In diesem Jahr ruft Brot für die Welt zum 60. Mal zu Spenden und Kollekten auf. Am 1. Advent, startet die 60. Aktion! Mit dem Ziel, auch in diesem Jahr Menschen auf der Schattenseite der Globalisierung etwas davon spüren zu lassen, dass sie nicht vergessen sind. Wie sonst könnten wir ihn empfangen, den armen König an der Seite der Armen?
 
Ulrich Hinz, Pastor in Meinsen