Chancenlos?

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 
Ekkehard von Kleist

In diesem Jahr ist mir nicht sehr nach Weihnachten zumute. "Früher hatte diese Zeit einen geheimnisvollen Zauber", erinnert sich meine Frau wehmütig beim Frühstück.
Heute stolpern wir über den Weihnachtsmarkt und durch das Gedränge der Fußgängerzone. An vielen Stellen stehen würdig und ernsthaft Weihnachtsmänner. Aus unsichtbaren Lautsprechern tropft überall ölig-pathetische Weihnachtsmusik. Ich wüsste gern, was in den Köpfen derer vorgeht, die diesen Schmalz von sich geben.

Wo ist da Platz für das Kind in der Krippe? Wer dringt noch durch bis zum Kern des Weihnachtsfestes? Die Menschen damals hatten es nicht besser, tröste ich mich. Sie mussten entweder belesen sein und etwas von Sternen verstehen oder aber Hirten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. An Sternen hat es zwar in der Weihnachtszeit keinen Mangel, aber die meisten sind doch von Menschen aufgehängt - wohin weisen sie uns?

Einer, der den Weg zur Krippe gefunden hat, war Paul Gerhardt. Und als er dort steht, bedenkt er die dunkle Todesnacht, aus der er aufgebrochen ist. Paul Gerhardt hat viel verloren. Seine Frau, vier Kinder, sein Pfarramt. Eins aber verliert er nicht: Die Sehnsucht nach dem Leben, das befreit ist von Not und Plage, eine Sehnsucht, die ihn aufbrechen lässt aus der Dunkelheit zum Licht, das warm und schön von der Krippe ausgeht.

Wird die Dunkelheit unserer Tage vielleicht hoffnungslos überstrahlt durch künstliche Sterne von Menschenhand? Und doch gibt es Menschen, die in dunkler Todesnacht kein Licht mehr sehen. Wird die Botschaft vom Neubeginn Gottes mit uns, die in einer unscheinbaren Krippe ihren Ausgang nimmt, sie erreichen und ihnen ein Licht anzünden? Hat die Weihnachtsbotschaft bei uns eine Chance?

Ekkehard von Kleist, Pastor in Stadthagen