Da hilft nur noch beten!

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Vehlen...

Eine Schlagzeile, die mir am im Zeitungskiosk entgegen springt, fettgedruckt, in roter Schrift. Ich schaue näher und sehe es geht um den drohenden Tabellenabstieg eines Fußballvereins. Meint der Autor wirklich, die Rettung des Vereins läge im Gebet?  Oder will er nur sagen:  Das ist ein hoffnungsloser Fall, da lässt sich nichts mehr machen. Kein Sondertraining, kein neuer Trainer, kein Lichtblick, der auf die Schnelle das Ruder noch herumreißen kann.

Kann das Gebet den Tabellenabstieg retten? Ist es der Hilfeschrei, der unser Geschick in der äußersten Not wenden kann?  Würde es helfen, wenn alle Fans sich zurückziehen und Gott bitten würden? Würde das Wunder geschehen?

Ich weiß es nicht. Niemand kann es wissen, niemand  überprüfen. Niemand von uns weiß, ob nur ein einziger Mensch wegen dieser Schlagzeile ein Gebet an Gott gerichtet hat. Und falls der Erfolg gegen alle Erwartungen doch eingetreten ist, könnte niemand behaupten, es habe an irgendeinem Gebet gelegen.
 
Wie ist es? Hilft das Beten? Das fragen Menschen immer wieder. Vielleicht erinnern wir selbst uns an Situationen, in denen wir unser Stoßgebet gen Himmel gerichtet haben. „Herr, hilf!“ , „Herr mach!“, „ Herr gib…!“. Ein letzter verzweifelter Rettungsanker. Manchmal hat es geklappt und oft genug auch nicht.
„Beten hilft“ heißt eine Geschichte von Ursula Wölfel. Es geht um zwei Jungen, die in einer Gartenlaube übernachten dürfen. Sie stellen in dieser Nacht fest, dass ihr Gebet ganz unterschiedliche Dinge bewirkt.
Flabes, der eine von den beiden, betet, weil er Angst hat.  Er hat Angst vor seinen Eltern, die ihm gesagt haben: „Mit einer 5 in Mathe brauchst du gar nicht wieder nach Hause kommen!“  Jetzt versteckt er sich bei seinem Freund Joschi in der Gartenlaube.  Abends liegen die beiden im Bett und Joschi merkt: Flabes betet! –  Am nächsten Morgen weiß Flabes, was er tun muss. Und der Leser ahnt, dass er jetzt mutig genug ist, nach Hause zu gehen, auch mit der 5 in Mathe.

Joschi, sein Freund hat auch Angst. Aber er hat die Angst vor dem schrecklich finsteren Gewitter, das im Hintergrund grollt. Er glaubt, es hat keinen Zweck aus lauter Angst zu beten. „Das kommt, oder es kommt nicht“, sagt er.  Aber dann ist es da. Das Gewitter und alle Angst entlädt sich in einem herrlich erfrischenden Regen.  „Und wenn ich bete“, sagt er ganz erleichtert und lässt den Regen auf sich niederprasseln, „dann sage ich: danke, lieber Gott, dass du das alles gemacht hast, den Garten, das Gewitter, den Regen! Herrlich ist das!“

„Beten hilft“ heißt die Geschichte. Und sie lässt ahnen, das Gott dabei ist, was immer auch geschieht. Vielleicht erleben wir Gott unterschiedlich, wenn wir beten. Vielleicht  nimmt er uns die Angst. Vielleicht sehen wir einfach neu, wie schön das Leben trotz alledem ist. Oder er hilft unseren Tränen. Das verändert die Wirklichkeit. So manches Mal ist das ganz anders, als wir gedacht hatten. Aber es hilft. Versuchen wir es doch - auch ohne Schlagzeile in der Zeitung.

Elisabeth Garner-Lischka, Pastorin in der Krankenhausseelsorge