Das letzte Wort

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Kategorie: Andacht Thema

Ein Wort aus Pollhagen...

 
Uwe Herde

Das letzte Wort ist bedeutungsvoll.  Denn ganz zum Schluss wird noch einmal sichtbar, was die ganze Zeit gemeint war. Am Ende kommt es raus. Und das bleibt dann stehen. Bleibt im Ohr und im Kopf. Daran erinnern sich alle, immer wieder. Wer als letzte/r etwas sagt, gewinnt, zum Beispiel auf einer Veranstaltung. Gut für die, die am Schluss dran sind. Wer die letzten Seiten eines Buches liest, weiß, wie es endet und ob alles gut wird. Manche machen das ganz selbstverständlich, wenn sie anfangen, ein Buch zu lesen.

Auch beim Abschied von einem Menschen sind letzte Worte wichtig. In diesen Tagen wird die Geschichte vom Abschied Jesu erzählt. Das geschieht fast wie in Zeitlupe. Tag für Tag, Stunde für Stunde. Jeder Moment ist kostbar. Angehörige erzählen ähnlich vom Abschied eines geliebten Menschen. Sie erzählen von Hilflosigkeit und großer Nähe, von dem Gefühl des Scheiterns und von Momenten, in denen sie getragen wurden. Sie erzählen von großen Anstrengungen, durchwachten Nächten und Kraft, die plötzlich da ist.
Gott erzählt seine Geschichte wie unsere Geschichten. Er kriecht hinein in die Geschichten der Menschen und lernt das Leben aus ihrer Perspektive. Er lernt die Schmerzen und die Angst kennen, die Menschen auf dem letzten Weg begleitet. Er erfährt, was es heißt, zu scheitern. Er geht nicht, wenn es ernst wird. Er bleibt bis zum Schluss. Doch ist das schon das letzte Wort?

Was ist das letzte Wort zum Leben und zum Tod? Zu unserem Leben und all dem, was darin ist? Zu den Erfolgen, die wir feiern? Zu den Zeiten der Liebe, die wir bekommen wie ein Geschenk? Zu der heimlichen Schuld, die wir tagsüber verbergen können, die nachts aber manchmal bis in unsere Träume dringt? Zu den Augenblicken, in denen wir vor Schönheit am liebsten vergehen möchten?

Was sagen andere über uns, wenn wir keine Worte mehr haben? Was sagt Gott? „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Unsere Geschichte und Gottes Geschichte sind miteinander verwoben. Und daraus wird die vielleicht größte Liebesgeschichte aller Zeiten. Morgen, zu Ostern, werden die letzten Seiten des Buches aufgeschlagen, in dem Gottes und unsere Geschichte erzählt sind. Und dort lesen wir: Christus lebt und wir mit ihm! Weiß Gott, was wir da sagen! Gott weiß es, und das genügt.

Uwe Herde, Pastor in Pollhagen