Das Weite suchen

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg…

Spätestens mit dem Ende der Sommerferien wird klar: Der Urlaub ist vorbei, der Alltag hat uns wieder. Was bleibt von der Erholung? - „Du gibst meinen Füßen weiten Raum.“ Bei diesen Worten aus dem 18. Psalm denke ich weiterhin an blauen Himmel, frische Luft, grüne Bäume und heitere Wege durch weites Land. Ich gehe. Aber es gibt keine Ziele, die ich erreichen muss. Es ist ein zweckfreies Tun. Nicht nur Erholen, um wieder frisch für die Arbeit zu sein. Nicht nur Entspannen, damit die Spannkraft wieder wächst. Arbeit ist ein wesentliches Ele-ment des Lebens. Aber auch der andere Pol gehört dazu: die Muße, das Gebet, das Tun, das seinen Zweck in sich selbst hat.

Der Spaziergang ist ein Tun, das seinen Zweck in sich selbst trägt. Ich muss nicht da hin, wo ich hingehe. Ich suche einfach nur einen Weg aus. Ich denke an Sonntagsspaziergänge mit meinen Eltern. Als Kind war ich immer froh, wenn ein Drachen dabei war, mein Teddy, mein Bollerwagen für den langen Rückweg. Die Eltern taten mal nichts. Sie waren einfach da. Waren ganz für sich und auch für mich da. In der Erinnerung sind diese Spaziergänge schön gewesen. Wir teilten die Zeit und bewegten uns ohne Absichten im weiten Raum.

Aktuelle Hirnforschung zeigt übrigens: zweckfreies Gehen verbessert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Auch ohne dies weiß ich: es tut gut, die Arbeit im Beruf und daheim gelegentlich ruhen zu lassen. Ich habe den täglichen Spaziergang mit meinem Hund. Der Sonntag bietet beste Gelegenheit: Gottesdienste, Spaziergänge und Ausflüge mit der Familie, Sport, Besichtigungen… Nur nicht die ganze Zeit träge da sitzen oder - im Gegenteil – alles in den Sonntag hineinpressen, was sonst nicht geht.
Aus der Ruhe kommt die Kraft, aus innerer Freiheit öffnet sich der Blick für das Neue und kommt die Kraft, auch das Notwendige zu tun. Aber erst einmal das Weite suchen. Das klärt den Geist und die Seele.

Dr. Wieland Kastning, Pastor in  Bückeburg