Der 1. Mai

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Sülbeck...

Morgen ist der 1. Mai, ein Tag, der für mich in der Erinnerung mit schönen Traditionen verknüpft ist. Als ich Kind war, fuhren wir am Vorabend in die Stadt. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus wurde zu fröhlicher Musik getanzt und um Mitternacht sangen dann viele hundert Menschen gemeinsam „Der Mai ist gekommen“. In unseren Jahren in Bayern habe ich am 1. Mai natürlich immer beim Aufstellen des Maibaums mitgemacht. Beides sind regionale Traditionen, die Gemeinschaft stiften und Freude machen. Und zugleich begleiten und kennzeichnen sie in schöner Weise den Übergang zum Frühling – nicht mehr und nicht weniger.

In diesem Jahr fällt der 1. Mai mit dem Sonntag „Rogate“, d.h. „Betet“, zusammen. An ihm wird an die Bedeutung des Gebets erinnert. Neulich sagte mir jemand: „Wissen Sie, ich finde es ist eine schöne Tradition, wenn Pastoren beim Krankenbesuch oder beim Trauergespräch ein Gebet sprechen.“ Beten als Tradition? Ich wollte spontan widersprechen. Aber dann dachte ich: „Natürlich ist das Beten als solches eine schöne Tradition. Etwas, das so viel Wert hat, dass es über Generationen beibehalten und weitergegeben wird. Von Eltern auf Kinder, von Menschen, denen es etwas bedeutet, auf Menschen, für die es dann mit der Zeit selbst Bedeutung bekommt.“ Aber das, was wir im Gebet sprechen oder denken, ist eben keine Tradition, sondern immer wieder neu. Es kommt aus dem Herzen und wir reden mit Gott wie mit einem Freund. Jeden Tag neu und anders. Und das ist viel mehr als nur Tradition!

Jens Hauschild, Pastor in Sülbeck