Der Himmel ist nicht leer

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 
Dr. Klaus Pönnighaus, Oberprediger in Stadthagen

Dr. Klaus Pönnighaus

Nicht nur jene Zeitgenossen, die am Himmelfahrtstag Bier trinkend durch die Natur ziehen, bezeugen, dass ihnen der Sinn für diesen Tag abhandengekommen ist. Schwierigkeiten mit diesem Fest gab es auch vorher: Aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, das sind Aussagen des Glaubensbekenntnisses, die oftmals nicht verstanden wurden. Friedrich II. von Preußen, geistig durch Voltaire und die französische Aufklärung bestimmt, aus den Kriegen mit Schlesien als Friedrich der Große heimgekehrt - dieser Friedrich ordnete im Jahr 1773 durch Kabinettsbeschluss an, das Fest der Himmelfahrt Christi sei in Preußen abzuschaffen. Wenn schon Religion, dann zumindest vernünftig! Nach seinem Tod fragt der englische Gesandte den Nachfolger Friedrichs freundlich lächelnd, ob die Allmacht Preußens wirklich so weit reiche, worauf dieser 1789 durch Kabinettsbeschluss die Himmelfahrt Christi wieder genehmigt.

Er hat gut daran getan. Denn Himmel - das ist Bild für die eben nicht in Worte zu fassende Nähe Gottes und Jesu Christi. Auch wenn es oft so scheint, als sei diese Welt ohne Gott, als sähe er das Elend und Leid in ihr nicht, der Himmel ist nicht leer. Wir sind nicht allein und verlassen. Das Leben ist sinnvoll und hoffnungsvoll. Es ist nicht so trostlos, wie der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway uns in einer seiner Kurzgeschichten erzählt: Ein Kellner in einem Café. Es ist Mitternacht. Der letzte Gast ist gegangen, der Kellner denkt über den vergangenen Tag nach. Und auf einmal fängt er an - im Selbstgespräch - zu beten. Er betet das Vaterunser, aber gleichsam in einen leeren Himmel hinein: "Unser Nichts, der du bist ein Nichts; Nichts ist dein Name; dein Nichts komme, dein Nichts geschehe wie im Nichts, so im Nichts; unser tägliches Nichts gib uns heute. …"

Gegen diese Trostlosigkeit will das Bild von Himmelfahrt angehen. Wir dürfen zu einem Vater beten, dessen Angesicht Jesus Christus uns bekannt gemacht hat; beten zu einem Gott, der die Züge des guten Hirten trägt, der das Brot des Lebens ist, das Licht der Welt. Wir dürfen auf den vertrauen, der den Staub der Erde - nicht nur in der Wüste - kennt, sich darauf eingelassen hat, und der nicht wie alle anderen Staub wurde. Martin Luther in seiner Himmelfahrtspredigt 1533: "Hüte dich, dass du ja nicht denkst, Christus sei an Himmelfahrt weggefahren. Nein, lieber Christ, genau umgekehrt ist es. Als er noch auf Erden war, da war er uns ferne. Jetzt ist er uns nah. So musst du Himmelfahrt verstehen und feiern, sonst fehlt es dem Tag an Saft und Kraft."

Jetzt ist er uns nah. Nie weiter entfernt als ein Gebet weit. Nicht so weit, dass er deine Traurigkeit nicht sehe. Nicht so weit, dass er um deine Sorge und Angst nicht wüsste. Nie so weit, dass er Menschen allein ließe, die sich mühen, in seinem Namen Himmel ein wenig schon auf diese Erde zu bringen. Natürlich fällt der Himmel nicht mit dieser Erde zusammen, heute nicht und in Zukunft nicht. Das sieht jeder, der Augen hat. Aber gerade dieser Erde in ihrer Zerrissenheit und in ihrer Dunkelheit gilt die Verheißung Gottes, dass er ihr nahe ist. In einem Lied wird das so ausgedrückt: 'Wir hören sein Wort, das uns Kräfte verheißt. Wir leben von ihm und seinem Geist. Er schenkt uns Glauben ans Licht in der Nacht; ans Kreuz, die verborgene Ostermacht. Wir wissen um Jesu Himmelfahrt und rechnen mit seiner Gegenwart.'

Dr. Klaus Pönnighaus, Oberprediger in Stadthagen