Der schwierige Verzicht auf Freiheit

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg ...

 
Jan Peter Hoth

„Ich möchte euch nicht belasten!“ Diesen Satz hört man oft von Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Manchmal vorübergehend durch einen Unfall oder schwere Krankheit. Oder im Alter, wenn Menschen dauerhaft und zunehmend auf Hilfe anderer angewiesen sind.

Es fällt jedem schwer, Hilfe anzunehmen. Für viele ist es nicht leicht zu sehen, wie die Familie sich abmüht und sich einschränken muss wenn man selber auf dem Sofa liegt und zuschaut.

Manchmal führt das dazu, dass unter Aufbietung aller Kräftereserven versucht wird, alles noch selber zu machen. Aber das führt nicht unbedingt zu geringerer Belastung der pflegenden Angehörigen. Eher zu der genervten Äußerung, man solle doch bitte liegen bleiben und die anderen machen lassen.
Wenn man ehrlich ist, geht es bei dem Satz nicht nur um die Rücksicht auf die Familie. Es hat auch mit mir zu tun. Ich ertrage es nur schwer, wenn ich nicht mehr selbst bestimmen kann, was ich wann tue. Der Verlust meiner Freiheit und Unabhängigkeit tut weh. „Ich möchte euch nicht belasten!“ meint auch: „Ich will meine Freiheit nicht aufgeben!“

Die Selbstbestimmung ist heute ein ganz wesentlicher Teil der Lebensqualität. Sie zu verlieren stellt Lebenssinn in Frage. Das starre Festhalten an der uneingeschränkten Selbstbestimmung manchmal auch unter Verdrängung Realität, belastet andere Menschen aber oft noch mehr. Besser wäre es, die eigene Hilfsbedürftigkeit zu akzeptieren und sich an die Umstände und die helfenden Menschen anzupassen. Das würde es erleichtern, ehrlich und realistisch miteinander zu klären, was ich noch selber kann und was andere wie für mich leisten.

Ich wünsche mir, dass mein Glaube mir dabei hilft, wenn mir das geschieht. Der Glaube an den Gott, der mir auch in der Schwäche Sinn und Wert zuspricht.

Pastor Jan Peter Hoth
Bückeburg