Der Tod schenkt uns Einmaligkeit

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bergkirchen ...

 
Reinhard Zoske

Auch wenn wir es alle wissen. Keiner kann die Augen vor dem Tod verschließen. Unser Leben auf Erden ist endlich einmalig. Irgendwann ist unsere Uhr abgelaufen.
Da es bei dem Einen früher und bei dem Anderen später geschieht, empfinden es manche von uns als unfair. Dann sagen sie, das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – man weiß nie genau, was man bekommt.

Jetzt ist die Zeit der vielen Todesanzeigen. Wir lesen vom plötzlichen und unerwarteten Tod. Da ist einer immer gesund, kommt ins Krankenhaus mit 77 Jahren und ist in Windes Eile tot. Das nennen wir plötzlich. Oder nach langer Krankheit dauert der Sterbeprozess nicht lange. Plötzlich ist ein Mensch gestorben. Da kann die Länge des Lebens schon sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Mit dem Tod endet unsere Vorstellung von Raum und Zeit. Wir nennen es Ewigkeit. Gäbe es die Todesgrenze nicht, würde sich unsere Erfahrung von Freude und Leben anders anfühlen. Aber so ist jeder Tag einmalig wie jede menschliche Begegnung. Die Begrenzung des Lebens durch den Tod gibt dem Leben Wert und Wichtigkeit. Leben auf Erden ist unwiederbringlich. In diese zu Ende gehende Jahreszeit von Herbst und dem Jahr 2012 fallen die Blätter und es  kommen die stillen Tage mit Volkstrauertag im Gedenken an Opfer von Gewaltherrschaften, auch der Buss und Bettag – ein Mittwoch im November – gedenkt der Vergebung und der Sehnsucht nach einem neuen Anfang wie auch der Ewigkeitssonntag, der die stille Sehnsucht hegt, ewig nach dem Tod bei Gott mit Gott zu sein. Diese stillen Tage sollen uns bewusst machen, dass wir mit ihnen liebe Menschen  verbinden und bleibendes Erinnern versprechen. Das ist Liebe. Nach dem Glauben unserer Väter, kann der Tod uns den Leib töten aber nicht die Seele. Auch die tägliche Erfahrung der kleinen Tode, in dem Lied: „Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen“, sind ein Hinweis auf solche gestorbenen Beziehungen; denn die vollkommene Liebe folgt bei Gott auf all unsere vorläufige und endliche Liebe im Leben. So heißt es von Jesus, er öffnet Türen, wo wir vor Mauern stehen. Da können wir neues Leben im Leben und nicht erst nach dem irdischen Leben erfahren.


Bei Jesus, als  Gottes Sohn und Lebensspender,  wirkt nicht der Mensch auf Gott ein; vielmehr handelt Gott. Er gab Jesus sein Leben dahin, um es neu zu erschaffen.  Insofern besteht die große Faszination Jesu Lebenszeugnis, dass er sagt, wo ein Mensch heimkehrt zu Gott Vater wird nicht ein Trauerfest sondern ein Willkommensfest bei Gott gefeiert. Das ist nicht Zeitenende, sondern Zeitenwende.

Reinhard Zoske, Pastor in Bergkirchen