Die Farbe der Saison

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Heuerßen...

 
Andreas Hecht

Grau in Grau ist wieder die Farbe der Saison. Überall macht sich ein kollektives Aufstöhnen breit: Morgens ist es wieder so dunkel, erst recht nachmittags.
Melancholie breitet sich aus – und das ja auch, weil jetzt wieder diese bedrückenden, Erinnerungsgesättigten Mahn- und Jahrestage anstehen und bewältigt werden wollen.

Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Trauer und schmerzvolles Gedenken, Buße, Nachdenken über unser Leben und das Erinnern der Verstorbenen dieses vergehenden Jahres sind angesagt. Und in eins damit ja auch das Innewerden der Tatsache, dass über allem Leben und somit auch über uns der Schatten der Vergänglichkeit liegt.

Volkstrauertag – ob ein ganzes Volk trauert, sei dahingestellt. Und zudem werden immer häufiger Stimmen laut, die anmahnen, doch nun endlich die Vergangenheit ruhen zu lassen. Doch wir werden Vergangenheit nicht los, indem wir sie vergessen oder verdrängen, auf sich beruhen lassen. Deshalb gedenken wir der Opfer von Gewalt und Krieg. Wir gedenken des unvorstellbaren persönlichen Leidens in Millionen Einzelschicksalen, des Leidens unseres Volkes und aller Völker, die wir mit Krieg überzogen haben. Wir begehen diesen Tag - nicht, weil wir ihn für irgendwelche Heldenverehrung brauchen. Wir brauchen ihn als Tag des Erinnerns und des Gedenkens, damit Trauer, damit Leiden und Schmerz ihre Zeit und ihren Raum erhalten!

Und um Vergebung bitten, das tut gut. Es ehrt nicht nur die Opfer, es ehrt auch die Schuldigen. Denn mit der Einsicht ins Unrecht wird ein Raum eröffnet für neue Erfahrungen. Wie wenig sich auch der Schuldige selbst von seiner Untat trennen kann, so sehr kann doch der, der Opfer wurde, diesen Raum stiften, um einen Neuanfang zu wagen. Auch Gott vergibt nicht an den Opfern vorbei. Das gehört mit zur christlichen Hoffnung, dass die Täter nicht auf immer über die Opfer triumphieren mögen. Und es ist ein Zeichen der Gnade, dass wir auf diesem Weg zur Versöhnung schon hier und jetzt beherzte Schritte gehen können.

Andreas Hecht, Pastor in Heuerßen