Die Toleranz gehört zu Deutschland

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bergkirchen...

 
Steinwachs

Fassungslos verfolgen wir in den letzten Wochen Berichte und Nachrichten über die Gruppierung „Islamischer Staat“ (ISIS), wie sie gewaltsam gegen Andersgläubige vorgeht und die Vernichtung der Jesiden und Christen im Nordirak und Syrien anstrebt. Sie begründen ihr Vorgehen religös.
Was ist aus dem Grundsatz des Islam geworden:  „In der Religion gibt es keinen Zwang“ (Sure 2,256)!
Ist dieser gotteslästerliche Hass der ISIS nicht eine Beschädigung des Rufes des Islam und damit aller Religionen in der ganzen Welt?
Wo ist die weise Religion der Toleranz geblieben, der wir so viel verdanken?
Es muss daran erinnert werden: islamische Universitäten des frühen Mittelalters hatten philosophische Schriften der griechischen Antike vor dem Vergessen bewahrt. Als diese Schriften nach Italien gelangten, entfachten sie die Renaissance, die Epoche, in der Europa die Enge des Mittelalters überwinden konnte. Unser Zahlensystem konnte erst durch Einführung der arabischen Zahlen die Naturwissenschaften entfalteten.
Als unser damaliger Ministerpräsident Christian Wulff 2010 sagte, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehört, gab es eine kontroverse Diskussion.
Sie hat sich beruhigt, besonders wohl auch wegen des Erschreckens über die Mordserie des „NSU“. Der Gerichtsprozess darüber ist noch nicht einmal beendet.
Moslems genießen in unserem Land inzwischen Ansehen und gerade bei der WM in Brasilien haben wir gespürt, dass wir zusammen gehören.
Die Grundlage ist der gegenseitige Respekt, die Toleranz.
Die Werte unserer Gesellschaft machen sich daran in Geist und Buchstaben fest, dass wir einander in den Grundrechten achten, auch in der Religionsfreiheit.
Das Miteinander lebt aus der konkreten Begegnung und aus dem Interesse füreinander.
Gerade jetzt, wo das Bild der Religionen so verzerrt wird, als wäre es der Grund für den Unfrieden in der Welt, sollten wir Begegnungen suchen, uns einladen und unseren Respekt füreinander leben!

Hartmut Steinwachs, Pastor in Bergkirchen