Die Welt kann warten, ...

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bergkirchen...

Die Welt kann warten, ...
... weil ich erst noch den wesentlichen Aufgaben im Glauben und der Liebe zu meinem Leben nachgehe. Dazu fällt mir auf, dass gute Impulse in meiner Wahrnehmung immer sehr viel mehr an Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen benötigen als destruktive Impulse.
Und dass ganz bewusst wahrgenommene, gute Begebenheiten schon manchmal mittags aus dem Bewusstsein verschwunden sind. Oft sind sie abends ganz vergessen.

Die Fülle an Worten und Informationen sind nicht mehr hilfreich, sondern erdrückend. Den Jahrmarkt an Lebensentwürfen erlebe ich eher als verwirrend. In den politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Turbulenzen, der in ihren Grundfesten erschütterten Welt, droht uns der Boden unter den Füßen zu entgleiten.
Da ist das neue Jahr mit so vielen Möglichkeiten und neuer Zeit, doch: "Wo ist es hin?", frage ich mich. Es war schon wieder so viel, also war gar nichts, weil ich selbst vieles für selbstverständlich durchgereicht habe an den Meilensteinen des Erlebens.

Doch da sind Anknüpfpunkte für Frieden im Kleinen des Tages, und da sind Momente die mich zufrieden stimmen. Und auch zum Wesentlichen am Tag bin ich durchgedrungen und mir sind Menschen in Liebe und Fürsorge begegnet und ich auch ihnen. Und was im Kleinen gelingt, an nur einem einzigen Tag, mit einem einzigen Menschen, kann für das Große und Ganze gelten. So kann jeder Einzelne mit seinem Netz an Kontakten das ganze Netz der Gemeinschaft an dem Punkt, an dem er steht, ein Stück tragen. „Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens und deiner Liebe und breite es durch mich aus!“ Das wird bleiben in meinem Leben. Es ist unser Bewusstsein, das dafür den ersten Schritt geht.

Hier meine ich nicht das Lied: „...Welt retten - tausend Mails checken“, sondern einen Mann, der mit seinem Handy jeden Tag Kleinigkeiten festhält: Momente, gute Gedanken, sinnvolle Gespräche, Freude, strahlende Kinderaugen und Aufmerksamkeiten, die sonst an uns vorbeirauschen. Das sind Momente, wo uns Fingerabdrücke Gottes in unserem Leben nahe sind. Da wird Gottes Himmel auf unserer Erde erfahrbar, seine Welt in unserer Welt. Es sind Bilder von Menschen, die nicht allein essen, sondern gemeinsam. "Im kleinen Laden sprechen Menschen mit mir", so eine Frau, "wo ich sonst eine Woche lang mit niemanden spreche." Und das Läuten der Kirchenglocken, das Frieden verkündet, was würde uns da fehlen, wenn es nicht mehr läutet, wenn das Leben und solche Momente sich zurückzögen und wir keine Chance hätten, den Himmel auf Erden, in und durch Menschen zu erfahren.

Abends vom Trubel des Tages angekommen, weiß der Mann gar nicht mehr was gewesen ist. Aber beim Durchsehen der Bilder, ist alles wieder präsent. Im Bewusstsein für das Wesentliche an seinem Tag, steigt Dankbarkeit auf und zufrieden freut er sich schon auf den nächsten. Es schenkt ihm innerlich Weite ... und die Welt kann warten. Das bleibt!

Reinhard Zoske, Pastor in Bergkirchen