Ein Fenster zum Himmel

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Steinbergen...

Am letzten Sonntag hat der Blick des gut acht Monate alten Taufkindes beim Segen über dem Taufbecken bei mir für ein Gänsehautgefühl gesorgt, wie ich es in 24 Jahren als Pastor selten erlebt habe: Aus den großen braunen Augen leuchtete so eine Konzentration und Ruhe, so ein Ausdruck von Vertrauen und Geborgensein,  dass ich Gottes Nähe und Segen selbst unmittelbar zu spüren meinte.
Man mag darin einen zufälligen Moment oder mein Wunschbild erkennen – für mich wurde darin ein Wort Jesu aus dem sogenannten Kinderevangelium spürbar: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Markus 10,15).

Mich hat dieser intensive Blick so fasziniert, weil sich in ihm ungezählte Erfahrungen mit kindlichen Zugängen zum Glauben bündeln. Immer wieder darf ich erleben, wie sich für Kinder ein Fenster in den Himmel öffnet, das uns Erwachsenen oft versperrt bleibt. Wenn wir dieses kindliche Staunen und Vertrauen über alles Sicht-, Plan- und Greifbare hinaus bewahren oder neu gewinnen können, dann wird ein Stück vom Reich Gottes spürbar. Das kann zum Beispiel gelingen, wenn wir uns berühren lassen von den kleinen und großen Wundern der Natur oder der unverhofften Zuwendung von Menschen.

Vielleicht können wir uns ja in den vor uns liegenden Sommer- und für Viele auch Ferien- und Urlaubswochen darin üben: Uns beschenken lassen mit Blicken, Gerüchen und Eindrücken, die unser Herz weit werden lassen; uns öffnen für spannende und bereichernde Begegnungen.
Wer weiß, vielleicht öffnet sich dann auch uns ein Fenster zum Himmel.

Stephan Strottmann, Pastor in Steinbergen