Ein Mensch sieht auf das Äußere – Gott sieht das Herz an

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Levesen...

 
Bärbel Sandau

Wir Menschen sind schnell dabei, unser Gegenüber nach dem Äußeren zu beurteilen. Wir vergessen, dass der Mensch als Ebenbild Gottes eine unantastbare Würde besitzt. Diese geht nicht durch eine Behinderung oder eine Krankheit verloren.
Die Ressourcen eines demenzerkrankten Menschen werden oft nicht beachtet. Nach meinen Erfahrungen wird das Herz nicht dement. Auf der emotionalen Ebene sind demenzerkrankte Menschen bis zuletzt erreichbar.

Seit einigen Jahren besuche ich mit meiner Hündin regelmäßig verschiedene Einrichtungen für demenzerkrankte Menschen. Das Tier öffnet mir Zugänge zu den Menschen, so dass mich einige Menschen abgespeichert haben als "Pastorin mit Hund". Wir sind ihnen vertraut und haben miteinander Beziehungen geknüpft, die nicht morgen schon wieder vergessen sind. Dies begeistert mich immer wieder, sobald ich auftauche – auch ohne Hund – bekomme ich zu diesen Menschen auf der emotionalen Ebene Kontakt. Wir können miteinander kommunizieren über ein Lächeln, eine Geste oder auch mit Worten.

So sprach mich ein Mann nach einem Gottesdienst an: „Wo ist der Hund? Warum haben Sie den Hund nicht mitgebracht?“ Das hat mich tief bewegt. Ich erklärte ihm, der Hund sei zuhause bei meinem Mann. Das konnte der Herr akzeptieren.
„Gott sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7). Ich wünsche uns, dass wir uns nicht vom ersten Eindruck leiten lassen, sondern von unserem Herzen.

Bärbel Sandau, Pastorin