Erntedank - E(Ä)hrensache

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bergkirchen...

Erntefeste allerorten und nun noch das Erntedankfest. Geht die Sache mit den Ähren nicht nur noch wenige Spezialisten an? Vollerwerbslandwirte oder Lohnunternehmen, die einsam mit ihren Bodenbearbeitungsgruppen über die Äcker ziehen?

Früher war die Ernte eine Dorfaufgabe, deren glücklicher Ausgang dann auch zum Gemeinschaftsfest wurde. Nur mit Mühe können wir den Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass es um unser gemeinsames Auskommen geht, dass im Erntedank auch der Dank für unser gemeinsames Überleben enthalten ist.
Erntedankfeste sind also abstrakter geworden, bedürfen eines vermittelnden Gedankens.

Was aber im Fest der Dörfer ungebrochen bleibt, ist die Zugehörigkeit zum Ort, das Feiern der Nachbarschaft. Ich erkenne darin eine Verschiebung von der Ähren- zur Ehrensache.
Den Erntedank mit dem Ort zusammen zu feiern, ist die Zusage den eigenen Lebensort nicht nur als Schlafstätte zu benutzen, sondern Teil des Ganzen zu sein. So können sich auch Neubürger in das Dorf integrieren.

Nachbarschaft, die ihren Dank für das Leben gemeinsam feiert, hat eine andere Qualität, als die zufällige Nachbarschaft von Neusiedlern eines Ortes.
So wird es zur „Ehrensache“ am Erntedank teilzunehmen.

Hartmut Steinwachs, Pastor in Bergkirchen