Ernten und sammeln

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Steinhude...

„Die etwa auch noch?“ Stirnrunzelnd schaue ich meiner Tochter dabei zu, wie sie eine weitere Kastanie aufhebt und sie in ihre prall gefüllte Jackentasche quetscht. Jede Kastanie, jede Eichel, jede Haselnuss ist es wert, gesammelt zu werden. So sehen kleine Kinder das. Auch die Tiere sind schon dabei, ihre Vorräte für den Winter anzulegen. Was im Sommer gewachsen ist, das ist jetzt reif zur Ernte. Mit Gemüse, Obst, Nüssen und Korn haben wir unsere Kirchen zum Erntedankfest geschmückt und Gott für diese Gaben gedankt.

Der Herbst und mit ihm die Ernte dieses Jahres mag in uns aber auch die Frage nach unserem eigenen Leben wecken. Was haben wir in der zurückliegenden Zeit geerntet? Anerkennung für das, was uns gelungen ist? Oder Kritik, die verletzend war? Habe ich im Beruf und in der Familie das geerntet, was ich voller Hoffnung ausgesät habe?

Was haben wir dieses Jahr an Erfahrungen gesammelt oder sammeln müssen? Hoffentlich viel Gutes, das uns froh gemacht hat. Aber auch das Andere gehört dazu: Sorge um uns selbst und um Menschen, die wir lieben. Verzweiflung, wenn wir nicht mehr weiter wussten.
Für das, was mir in diesem Jahr geschenkt wurde, möchte ich Gott danken. Für alles, was schwer und traurig war, stimme ich in ein Gebet aus der Bibel ein: „Sammle meine Tränen in deinen Krug, Gott.“ (Psalm 56,9) Wie gut, dass Gott uns kennt und uns liebt. Denn für ihn ist jede unserer Tränen es wert, aufgehoben und gesammelt zu werden.

Andrea  Dorow, Pastorin in Steinhude...