Feuer

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bad Eilsen...

 
Reiner Rinne

Der 9. November ist ein Tag des Feuers.
Vor 95 Jahren (Novemberrevolution) feuerten Soldaten, Kameraden aufeinander.
Vor 75 Jahren (Reichspogromnacht) brannten die Synagogen im Feuer der Vernichtung.
Vor 24 Jahren (Grenzöffnung) brannte das Feuer der Begeisterung in Deutschland: Wahnsinn!
„Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe“, soll Jesus nach einem apokryphen (nicht in unseren Bibeln enthaltenen) Evangelium gesagt haben. Er meinte: Ich stecke euch an, entfache Begeisterung, Leidenschaft für Gott.
„Brenne müsse Se“ verlangte einst Sepp Herberger von seinen elf Nationalspielern. Noch heute verzeiht jeder Fußballfan seiner Mannschaft, wenn sie verliert, aber nicht, wenn sie nicht kämpft.
„Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg mit uns redete?“ erinnern sich die Emmaus-Jünger. Es braucht „brennende“ Herzen, diese Leidenschaft, wenn wir gemeinsam etwas erreichen wollen.
9. November: Revolution. Schoah. Offene Grenzen. Der Tag sagt: Wir brauchen Leidenschaft, brennende Herzen, für den Frieden; Leidenschaft für die Verständigung zwischen den Völkern. Leidenschaft für Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Solidarität mit Flüchtlingen.
Das Spiel mit der Leidenschaft ist ein Spiel mit dem Feuer, gewiss. Aber deswegen sollst Du nicht kalt, gleichgültig, gefühllos sein. Sondern Du sollst sorgsam darauf achten, wofür Dein Herz entflammt ist, wofür Du brennst. Friede und Verständigung, Gerechtigkeit und Nächstenliebe brauchen nicht weniger, sondern mehr Leidenschaft als Kampf und Streit.
Setzt also ein Zeichen gegen Hass und Gewalt – ihr Fans in den Fußballstadien. Setzt ein Zeichen für Flüchtlinge und Asylsuchende – nicht nur in Hellersdorf. Setzt ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt – nicht nur in Bad Nenndorf.
Oder wie Paulus sagt: „Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.“

Reiner Rinne, Superintendent Kirchenbezirk West