Freut euch

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Kastning

Farbenfroh sagt sich in diesen kalten Tagen der Frühling an und macht Appetit auf Leben. Gleichzeitig vermeldet der kirchliche Kalender die Passions- und Fastenwochen und stellt den am Kreuz endenden Leidensweg Jesu vor Augen. Auch für bewusst mit dem Kirchenjahr lebende Christen ist dieses Zugleich von Frühlingserwa-chen und Besinnung auf den Mann am Kreuz ein Spagat. In der evangelischen Fasten-aktion „7 Wochen ohne“ wird diese Spannung milde aufgenommen: Ich entschließe mich bewusst, zeitweise von schädlichen Gewohnheiten abzulassen – Süßigkeiten, Alkohol, dummes Geschwätz über andere, 24 Stunden im Netz. Und gewinne dabei ein Stück Leben: Freiheit von Pfunden, Süchten, sozialem Stress.

In dieser maßvollen Weise lässt sich mit dem Leiden leben. Wahres Leid aber ist anders. Und es ist schwer, es wirklich an sich heran zu lassen: Jesu Kreuz, das Leiden der Bürgerkriegsopfer in Syrien, das Leiden von Mutter Erde unter der Ausbeutung ihrer Menschenkinder. Mancher meidet sogar Besuche im Krankenhaus.
Das wirkliche Leben aber ist beides: Werden und Vergehen, Liebe und Leiden, Frieden und Krieg. Auch wenn der Sinn des Menschen nach der hellen Seite des Lebens steht, wird er das Dunkle nicht los. Wegschauen, abblenden, schön reden hilft nicht. Spätestens mit den ersten Zipperlein meldet sich der Tod auch bei mir.

Die Frage geht an jeden ganz persönlich: Was, glaubst Du, wird am Ende sein? Tod oder Leben? Man kann ganz im Hier und Jetzt aufgehen und die dunklen Seiten zu verdrängen suchen in der Angst, der Tod wird doch alles nehmen. Oder man traut dem Leben und widersteht aktiv den vielgestaltigen Agenten des Todes: im Wachen am Bett des Sterbenden, in der Sorge für Opfer von Krieg und Gewalt, im Hüten der Schöpfung, im Betrachten des Gekreuzigten.

Der christliche Glaube macht Mut zu starkem Leben. Lätare - „freut euch“ – heißt der bevor stehende Sonntag im Kirchenkalender. Freut euch, mitten im Schweren, mitten in der Passionszeit. Geht eure Wege im Vertrauen auf den Überschuss von Leben. Denn das Leben stärker ist als der Tod. Davon wird Ostern noch einmal ausführlicher zu reden sein.

Wieland Kastning, Pastor in Bückeburg