Frieden in Zeiten der Unsicherheit

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 

L. Gräber

Nahe beim Bundeskanzleramt in Berlin steht eine Skulptur mit dem Titel „Non Violence“ (keine Gewalt). Dargestellt ist ein Revolver mit einem Knoten im Lauf. Eine Waffe, die nicht eingesetzt werden kann und soll. Zugleich ein Symbol für die Haltung der Bundesrepublik Deutschland in Konflikten: Wir sind friedfertig, wir setzen auf Diplomatie statt auf militärische Gewalt. Fast 75 Jahre dürfen wir in unserem Land in Frieden und ohne die Schrecken des Krieges leben. Es scheint so, als hätten wir verstanden und gelernt, was wir als Konsequenz aus der Schuld und Verantwortung des von Deutschland ausgehenden 2. Weltkrieges gezogen haben: Dass von deutschem Boden nie wieder eine kriegerische Handlung ausgehen darf.

Die letzten Tage mit der Ermordung des iranischen Generals Quassem Suleimani und dem Vergeltungsschlag des Iran zeigen uns aber zum einen erneut ganz deutlich die globale Verflechtung in der Aufgabe der Erhaltung des Friedens und damit zum anderen auch die Verunsicherung, welcher Weg dazu der richtige ist. Enge Verbündete sagen schon länger: „Deutsche Macht fürchten wir weniger als deutsche Untätigkeit.“
Derartige Aussagen sind Wasser auf die Mühlen rechtspopulistischer Kreise, die schon länger dafür plädieren, mit einer Neuausrichtung der Außenpolitik gleich auch die Erinnerungskultur umzugestalten und zu verfälschen.

Der Wille zum Frieden ist und bleibt damit eine Frage der Haltung und Ausrichtung des eigenen Lebens. Er fängt in den Köpfen an, in denen sich herausbildet, wes Geistes Kind wir sind. Lassen wir uns von einem Geist der bewussten Verunsicherung, des Neides und der Polarisierung anstecken, oder verstärken wir die Tendenzen eines friedlichen Miteinanders und der Deeskalation, weil wir einen Halt haben, der uns stabilisiert? Der Apostel Paulus weiß, dass uns solche Stabilität auch geschenkt werden muss. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, sagt er. Ich wünsche uns, dass wir Kinder eines solchen Geistes des Friedens werden und bleiben.

Lutz Gräber,
Theologischer Referent Bückeburg