Frieden

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Sülbeck...

 
Hauschild

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das haben wir alle schon beim ersten erbitterten Kampf um Schaufel und Eimer im Sandkasten gelernt. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das habe ich hautnah in meinen Jahren in Afrika erlebt und noch mehr in meinen Einsätzen als begleitender Seelsorger für unsere deutschen Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das kennen wir aus Israel und Palästina, aus Ägypten, aus dem Irak und nun in den letzten Wochen so bedrückend aus der Ukraine.

Natürlich kann der kontrollierte Einsatz von Gewalt, wenn alle anderen Mittel versagt haben, manchmal das entscheidende Zeitfenster für Verhandlungen und politische Lösungen schaffen. Manchmal ist das so, aber ganz gewiss nicht immer. Und natürlich ist der Einsatz von Gewalt als letztes Mittel notwendig, um noch Schlimmeres wie einen Völkermord zu verhindern. Aber auch dann gilt: Gewalt erzeugt Gegengewalt – keinen Frieden. Die Spirale der Gewalt hört erst auf, wenn Menschen sich ihr entziehen, wenn die Waffen nicht mehr benutzt, sondern niedergelegt werden, wenn Hände nicht zu Fäusten geballt, sondern offen ausgestreckt werden. Das aber kann nicht durch Gewalt erzwungen und durch die Politik verordnet werden. Frieden beginnt in den Herzen der einzelnen Menschen.

In Afghanistan habe ich mit Muslimen zusammengesessen und um Frieden gebetet. Sie zu ihrem, ich zu meinem Gott. Es war bewegend, wie ähnlich sich unsere Gebete waren. Nicht: „Gott, lass die anderen endlich friedlich werden“, sondern: „Gott, verändere mich, lass mich friedlich werden, damit ich mit anderen Frieden haben kann“. Mögen sich Du und ich, die Menschen in Israel, Irak, Afghanistan, der Ukraine und anderswo auf der Welt von Gott so verändern lassen…

Jens Hauschild, Pastor in Sülbeck