Frühling in der Gemeinde Jesu

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Ingo Röder

Der Frühling ist da, die Natur bricht auf:  Erste frische Blätter und Blüten an Büschen und Bäumen sind zu sehen, die Hühner legen wieder mehr Eier, und unter den Schafherden tummeln sich zahlreiche junge Lämmer. Schöne Bilder in der Natur begegnen uns zu Hauf. Eben auch Schafherden mit ihren Hirten sind wieder im Freien zu entdecken.

Wem fällt da nicht Paul Gerhardts Lied ‚Geh aus mein Herz und suche Freud‘ oder das Wort Jesu ein: ‚Ich bin der gute Hirte, meine Schafe hören meine Stimme‘ ein. Schöne Lieder und Texte, die eine romantische Stimmung in uns aufkommen lassen.  Das ist schön, aber auch nicht alles, was diese Texte uns sagen wollen. Da hören wir auch Kritisches von manchen Hirten, die Jesus als Mietlinge benennt und ihre Unzuverlässigkeit anprangert. Er selber ist der gute Hirte, aber auch wir sollen Hirte (lateinisch Pastor) sein und seine Stimme die Herde hörbar werden lassen.

Diese Stimme ist nicht nur akustisch-phonetisch gemeint, sie hat vor allem einen Inhalt. Und dieser Inhalt der Stimme des guten Hirten ist eine gute Botschaft, lateinisch ‚Evangelium‘. Es war damals in Israel eine ganz neue Stimme, eine ganz neue Botschaft gegenüber dem Alten Testament. Eine Stimme, die nicht mehr vor allem den Zeigefinger in die Wunden der Menschen, in die Sünden legt; nicht mehr die Betonung von Strafe und Vergeltung; nicht mehr ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Jesus sagt: ‚Ich aber sage euch.‘ Er sieht den Menschen, ganz gleich wen, als Gottes Kind, als Gottes Ebenbild. ‚Gnade‘ ist seine Stimme, und so vergibt er der Ehebrecherin, die eigentlich die Steinigung verdient hätte, ruft betrügerische Zöllner in seinen Dienst und vergibt sogar am Kreuz dem neben ihm hingerichteten Mörder oder die ihn kreuzigenden Soldaten (‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘). Seine Gnade und Vergebung will uns umkehren lassen, nicht die drohende Strafe Gottes.

Leider stehen wir Menschen und auch wir Pastoren immer wieder in der Versuchung, alttestamentarisch mit dem Finger auf Sünder, manchmal auch auf angebliche Sünder zu zeigen. Nein, nehmen wir nicht nur einen Finger zum Wunden Aufzeigen, sondern die ganze Hand, um sie zum Vergeben und zum Segnen zu reichen. Dann wird auch Frühling in Jesu Herde, in Jesu Gemeinde werden.  

Ingo Röder, Pastor i.R. aus Bückeburg