Fürbitten

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Meinsen...

Es war wieder keine gute Woche: die Diskussionen um die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei. Der brutale Axt-Angriff eines Minderjährigen. Polizistenmorde in den USA. Hungersnot in Afrika.
Und zwischen diesen in großen Lettern gesetzten Meldungen die unzähligen Geschichten von Gewalt, Flucht, Zerstörung und Not an vielen Orten auf unserem Planeten. Was Menschen einander antun ist unglaublich und macht immer wieder sprachlos. Und es scheint keine Besserung in Sicht.

Auch an diesem Sonntag werden Christen wie in jedem Gottesdienst in den Fürbitten die Nöte einzelner und die Weltlage aufnehmen. Können denn solche Gebete die Welt verändern? Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht. In den Fürbitten wird gebeten um Trost für die Trauernden und für Menschen, die Schmerz und Leid erfahren. Diese Gebete sind aber auch eine Klage darüber, dass sinnlose Gewalt und grauenhafte Ungerechtigkeit das Leben so vieler Menschen bedrohen. Das kann man mit einem Gebet wenigstens in Worte fassen. Und es hilft zumindest mir, das auch in aller Öffentlichkeit zu tun und die Klagen vor Gott zu bringen.

Viele Christen der ersten Generation hatten Bedrohungen hautnah erfahren und auch Angst um ihr Leben gespürt. Aus dem gemeinsamen Gebet hatten sie viel Kraft geschöpft. Ein Zeugnis dafür steht im 2. Timotheusbrief (Kapitel 1, Vers 7): „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Das bedeutet: Wir halten fest an der Liebe und an unseren Hoffnungen, auch wenn wir das Gegenteil erleben.

Es ist dieses hartnäckige Setzen auf die Liebe und auf Versöhnung, das einem auch heute noch Mut geben kann. Doch lösen solche frommen Worte die Probleme? Nein. Sind sie dann am Ende nicht Ausdruck völlig naiver Weltflucht? Auch nein. Erst einmal verleihen sie dem geschundenen und gedemütigten Sprachlosen eine Stimme. Das ist schon viel. Und sie helfen, das ohnmächtige Gefühl zu überwinden, dass ich da sowieso nichts ändern könnte. Denn ich möchte mich nicht abfinden mit Leid und Unrecht! Das ist die Botschaft meiner Gebete und der Fürbitten vieler. Und das ist ein Anfang, Tod, Gewalt und Unrecht in unserer Welt die Grenzen aufzuzeigen.
 
Ulrich Hinz, Pastor in Meinsen