Gastfreundschaft

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Wieland Kastning

Die aktuellen Nachrichten über die explosive Situation in Ägypten erschrecken. Nebenher erfährt man, dass koptische Christen, etwa zehn Prozent der Bevölkerung, schon bald nach dem Ende Mubaraks massiv bedroht waren. Im akuten Chaos schlagen vorhandene Ressentiments in Gewalt um: Christen werden umgebracht, Kirchen angezündet. Bischof Anba Damian, Oberhaupt der etwa 3000 koptischen Christen in Deutschland, berichtete im Kloster Brenkhausen bei Höxter Ende Juli: „Im Protest gegen Mubarak standen koptische Christen und Muslime Seite an Seite, aber den Preis müssen jetzt allein die Kopten bezahlen.“

In der arabischen Welt leben starke christliche Minderheiten. Einfach war ihre Situation nie. Nun aber werden sie offen verfolgt, in Ägypten, im Irak, in Syrien und anderswo.

Das ist weit weg, denkt man. Aber die verfolgten orientalischen Christen stehen bereits vor unserer Tür. 99 irakische Flüchtlinge sind im Juli in Langenhagen gelandet. Sind sie uns willkommen? Die Fakten machen skeptisch:
Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Studie des Bundes fühlt sich jeder vierte Schüler oder Student mit ausländischen, insbesondere türkischen und arabischen Wurzeln an deutschen Schulen und Universitäten diskriminiert. Diese Studie belegt den Wahnsinn eines ganz alltäglichen Rassismus. Es reicht nicht, sich über die Mordtaten der Extremisten  des NSU zu empören. Ängste und Ressentiments gegenüber Fremden und Menschen, die „anders“ sind, reichen tief in die Mitte unserer Gesellschaft hinein.

Unmittelbar können wir den Menschen in Ägypten nicht helfen. Wir können für sie beten. Dazu rief Bischof Damian auf. Aber hier in Deutschland müssen und können wir auch direkt dafür arbeiten, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion in Frieden miteinander leben. Gastfreundschaft ist ein guter Weg. Beim Essen und Trinken in familiärer Runde öffnen sich die Menschen. Kein Wunder, dass Jesus immer wieder in den Häusern derer angetroffen wird, die „anders“ sind, dass er mit ihnen isst und trinkt, mit ihnen redet. Er gewinnt sie für ein Miteinander, das über den Augenblick hinausführt in die gelebte Gemeinschaft der Kinder des einen Gottes.

Wieland Kastning, Pastor Bückeburg