Gefährliches Leben

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Engern...

Wir kennen alle Risiken und Gefahren im alltäglichen Leben. Sie können plötzlich auftauchen und sind unbeeinflussbar. Gibt es auch andere Gefahren? Darüber haben die ersten Christen nachgedacht. Einer von ihnen war der Mönch Evagrius im 4. Jahrhundert. Er beschrieb die Hauptgefahren: Hochmut, Neid, Habgier, Trägheit, Wollust, Völlerei und Zorn. Erst später bezeichnete die Kirche sie als „Todsünden“. Ein schwerlastiger Begriff. Es reicht auch aus, sie als Gefahren zu erkennen und zu versuchen, ihre Macht zu brechen. Nicht nur Theologen, auch Soziologen und Psychologen unterstreichen die Aktualität dieser Gefahren. Der Mensch kann dabei die Gesundheit verlieren oder in die Sucht geraten, er kann aber auch seine soziale Kompetenz verlieren, wie wir neudeutsch sagen.
Das Ernst-Nehmen der Gefahren hilft zu erkennen, wo wir in der sich radikal verändernden Welt stehen. Und wie sollen Christen dann aufgestellt sein? Ein Satz des Apostels Paulus ist dafür erhellend und befreiend. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schrieb Paulus an die Galater. Auch eine gute Erinnerung. In ihr erleben die Christen ihre Motivation und die Ent-Lastung innerhalb der Gefahrenzone. Der Vater des kürzlich verstorbenen Dirigenten Kurt Masur hat ihm angesichts des Nazi-Deutschland gesagt: „Junge, lass dich nicht kaufen!“ Das gilt für alle Zusammenhänge des Lebens.

Reinhard Koller, Pastor in Engern