Gott mit uns

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Hagenburg...

Geht eigentlich gut los, der Monat März: „Ist Gott für uns,  wer kann wider uns sein“ - das ist der Monatsspruch aus dem Römerbrief.
Ein starkes Wort, ein Aufruf beinahe, und viele von uns mögen ihn fraglos annehmen, wären da nicht ein paar Umstände, die einen ins Nachdenken bringen müssen:
„Gott mit uns“ - so argumentieren die Anhänger des „Islamischen Staates“ und sind an Gewalt und Grausamkeit kaum zu überbieten, die sie im Namen Allahs meinen ausüben zu dürfen.
Und: stand nicht auf den Koppelschlössern deutscher Soldaten auch: „Gott mit uns“? Vom Kaiserreich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Und: „In God We Trust“ ziert die amerikanische Dollarnote - übrigens erst seit 1956. Im kalten Krieg sollte den „gottlosen“ Kommunisten amerikanisch-westliche Einigkeit aus Geld und Glauben demonstriert werden.
Die Inanspruchnahme Gottes für eigene Zwecke hat offenbar Tradition.

Für Paulus und die Briefempfänger in Rom war dieser Vers allerdings keine agressive Stärkeformel, sondern eher eine Selbstvergewisserung in bedrohlicher Zeit. Für die Christen in Rom ging es nicht darum, zu den Waffen zu greifen, sondern darum,  sich den Waffen anderer ausgesetzt zu sehen und dann zumindest innerlich standzuhalten.
Ist Gott mit uns, wer kann uns zerstören, wer könnte uns - auch wenn er uns tötet, von Gott trennen. Solches Gottvertrauen allerdings wäre immer noch wünschenswert in einer Welt, in der es einerseits so harmonisch bekenntnislos zugeht und andererseits so unmenschlich radikal. Manchem Stammtisch wäre ein solches Bekenntnis zu wünschen, aus dem Vertrauen spricht - und nicht Aggression.

Axel Sandrock, Pastor in Altenhagen-Hagenburg