Gross rauskommen

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 
Böversen

Gross rauskommen will doch jede/jeder. Wer's nicht will, gehört zu den Verlierer-Typen, und die haben ausgespielt. Deshalb: Ich muss was dafür tun, dass ich drin bin. Nicht nur am Puls der Zeit, sondern am Puls der Mode, am Puls der Musik, am Puls der Stimmung am Arbeitsplatz oder in der Schule. Nur wer echt cool ist, hat die Chance, groß raus zu kommen.

Verführerisch ist diese Stimmung. Der Wettbewerb ist gnadenlos, lind ganz unbewusst hat sich dieser gnadenlose Wettbewerb in unsere Lebensgestaltung eingeschlichen.
Eigenartig ist nur, dass diese Frage nicht neu ist. Zu allen Zeiten kann man sie entdecken. Jesus redet von seinem Tod, und seine Jünger bitten ihn, dass er sie groß rauskommen lässt. Es scheint im menschlichen Lebens- und Überlebenskampf zu liegen, dieses Streben nach dem »wie komme ich weiter«. Aber vielleicht ist das zu weit gedacht. Es könnte ja auch sein, dass diese unbewussten Mechanismen im – miteinander - leben auch schon damals da waren.
Dass die Meinung herrschte, auch im religiösen Bereich, nur wer vorne dran ist, wer z.B. im Himmelreich zur Rechten sitzt, der hat Chancen, gut drauf zu sein. Nur wer religiös und geistlich weiterkommt und wächst, der hat Chancen, bei Gott anerkannt zu sein, einen guten Platz zu haben. Dem widerspricht Jesus deutlich. Nicht nur, dass er seine Jünger wie ertappte Kinder anspricht, als sie sich darüber streiten, wer denn der Größte und Wichtigste ist. So als wollte er ihnen sagen, ob sie denn immer noch nicht gelernt hätten, was ihm wichtig ist. Nein, ganz direkt sagt er es seinen Jüngern: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (Markus 10,43)!“ Damit ist alles gesagt. Doch dieser Satz ist eine Forderung, die zugleich eine wesentliche Botschaft Jesu in sich trägt: Das Leben ist von Gott her gesehen nicht ein Leben des Groß- oder Kleinseins, ein Leben der Leistung oder des Versagens, ein Leben des Gewinnens oder Verlierens, ein Leben des Gesund- oder Krankseins. Bei Gott kehren sich Maßstäbe um. Wer groß sein will, der erweist seine Größe eben gerade so, dass er anderen »dienend« entgegenkommt. Größe zeigt sich darin, wie ich einen anderen Menschen achte im Freundeskreis, in der Familie, in allen Beziehungen.

Jörg Böversen, Pastor in Stadthagen