Heilsame Unterscheidung

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Heuerßen...

 
Keller

Immer wieder sorgte der sogenannte Fall des Bischofs Tebartz-van Elst in den letzten Monaten für Schlagzeilen. Viel wurde darüber diskutiert. Aber woher kommt das Interesse? Liegt es nur an der hohen Summe, die für die dubiosen Baumaßnahmen in Limburg veranschlagt wurde, oder liegt es vielleicht mehr daran, dass ein Bischof sich hier falsch verhalten hat, vor allem durch immer wieder neue Falschaussagen? Letzteres zieht wohl eher die Aufmerksamkeit auf sich, denn von der Kirche kann ja wohl erwartet werden, dass man sich moralisch korrekt verhält! Aber stellt dieser Anspruch nicht eine Überforderung für jeden einzelnen Christen dar – egal ob Bischof oder nicht? Christen sind keine Übermenschen, die sich zu jeder Zeit moralisch richtig verhalten und Christen wissen das auch von sich. Das zeigt schon die Bitte im "Vaterunser" „und vergib uns unsere Schuld“. Als Menschen machen wir Fehler, verhalten uns falsch und bleiben damit anderen etwas schuldig. Auch wenn wir uns noch so sehr bemühen, es gibt immer wieder Situationen, in denen wir scheitern. Und dann sprechen wir mit diesen Worten des ‚Vaterunser’ unser Fehlverhalten vor Gott aus und glauben an seine Vergebung. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass Gott uns wie ein Vater weiterhin mit liebevollem Blick ansieht. Wir haben etwas Falsches getan, aber christlicher Glaube kennt diese heilsame Unterscheidung von Person und Werk. Die Trennung zwischen der Person und dem, was wir tun, kann uns die Kraft geben, Schuld einzugestehen – so wie es auch Bischof Tebartz-van Elst am vergangenen Freitag getan hat. Dadurch ist ein Neuanfang möglich - für mich selbst wie auch für andere Menschen.

Sarah-Madeleine Keller, Vikarin in Heuerßen