Hintergrundrauschen

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Seggebruch...

 


Morgens 6:30 Uhr. Musik erklingt und weckt mich sanft aus dem Schlaf. Wenn ich dann die Küche betrete, schalte ich zuerst das Radio ein. So begleitet mich der Radiomoderator bei meinem ersten Kaffee und dem Studieren der Zeitung.

Im Auto läuft ebenfalls sofort das Radio, wenn ich den Motor anstelle. Auf langen Autofahrten höre ich Reportagen aus aller Welt oder ein Hörbuch.  Beim Joggen dürfen diese kleinen Ohrstöpsel nicht fehlen. Aus den kleinen Lautsprechern schallt motivierende Musik. Sie wird nur manchmal von einer kleinen Stimme unterbrochen, die mir sagt, dass ich gerade den dritten Kilometer geschafft habe.

Am Abend beschallt mich dann noch ein wenig der Fernseher, bevor ich wieder ins Bett gehe. In der Ferne höre ich das Ruckeln und Schuckeln eines vorbeifahrenden Güterzuges, dann schlafe ich endlich ein. Nur, damit mich am nächsten Morgen wieder die Musik wecken wird.

„Heute wenn ihr Gottes Stimme hört, verschließt nicht eure Herzen“, heißt es im Brief an die Hebräer. Ich höre viele Stimmen an solch einem Tag. Aber nehme ich sie auch wahr? Die Stimmen der Welt prasseln auf mich ein, aber lasse ich sie noch an mein Herz? Durch das Stimmengewirr nutzt sich meine Wahrnehmung ab, befürchte ich. Und wenn ich schon menschliche Stimmen nicht mehr an mein Herz lasse, wird es erst Recht schwierig, Gottes Stimme in dem allgemeinen Rauschen zu erkennen und an sich heranzulassen.
In der Bibel spricht Gott zu den Menschen oft an sehr stillen, einsamen Orten. Wenn ich mich wundere, Gottes Stimme nicht zu hören, liegt es vielleicht daran, dass ich ihr keine Chance gebe. Dabei könnte sie gerade heute versuchen, zu mir zu flüstern.

Ich schalte das Radio aus. Packe die Zeitung zur Seite. Gucke aus dem Fenster und lausche.

Hans-Angelus Meyer, Pastor in Seggebruch