Ich bin ein Vater!

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Jan-Uwe Zapke

Damit gehöre ich zu der privilegierten Gruppe von Männern, die am nächsten Donnerstag an den Mittellandkanal gehen dürfen, um sich im Kreis aller Väter öffentlich zu betrinken – Wunderbar! Leider treffe ich an diesem Ort meistens gar keine Väter, sondern nur junge Anwärter und neuerdings auch Anwärterinnen (höchst merkwürdig).

Sei`s drum, ein großartiger Feiertag, besonders auch aufgrund seiner Sinnleere. Vatertag hat nichts zu sagen, will nichts sagen und soll nichts sagen! Ich feiere ihn aber dennoch sehr ernsthaft. Von meinen Kindern wünsche ich mir als Vatertagsgeschenk standesgemäß Alkohol. Die Sorte spielt keine Rolle, sie sollen ihn nur liebevoll einpacken und mit den Worten: „Betrink dich bitte lieber Papi“ überreichen. Betrunkene Väter finden alle Kinder gut. Das vollziehe ich dann auch sofort und nach der Flaschenentleerung liege ich den Rest des Tages im Bett und schlafe - Kinder lieben schlafende Väter-denn ich habe das Recht, mich an diesem Tag zu betrinken und zu schlafen, weil ich ein Vater bin. Kinder lieben rechthaberische Väter.

Neulich kam ein Bekannter und sagte mir, dass man Vatertag früher einmal Christi Himmelfahrt genannt habe. Menschen seien zusammengekommen, hätten über die großen Fragen des Lebens nachgedacht, miteinander Gottesdienst gefeiert und im Anschluss zusammen gegessen und getrunken. Der Begriff Himmelfahrt war – so mein Bekannter – ein Bild für die große Frage nach dem Sinn und dem Leben überhaupt. Man hätte sich damals tatsächlich noch ernstlich Gedanken über das Leben gemacht. Es sei – so seine Erinnerung - oft sehr schön gewesen, weil neben den Vätern sogar Großväter, Mütter und Kinder dabei gewesen wären. Sonderbare Zeit habe ich nur gedacht, und es hat mich ein wehmütiges Gefühl beschlichen, so als ob ich irgendetwas verloren habe.

Jan-Uwe Zapke, Pastor in Bückeburg