… in dieser lieben Sommerzeit

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Seggebruch...

Wie oft wurde das Lob der wunderbaren Schöpfung in den letzten Wochen schon gesungen. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; …“ so dichtete Paul Gerhard in eingängigen Reimen, was er staunend betrachtete.

Er freute sich über prachtvolle Blüten, die ihm teilweise exotisch anmuteten. Tulpen und Narzissen wurden als neuer Import gepriesen. An den Blüten sah er die Bienen auf ihrer Suche nach Nektar. Auf Weizenfeldern sah er die Vielfalt der Natur, die noch nicht durch Pestizide in ihre Schranken gewiesen wurde. In Weinbergen, in Flussauen und auf Wiesen sah er sich satt an Natur, die er Gott verdankte.

Musste diese Beschreibung nicht zynisch wirken angesichts der Schrecken eines langen Krieges (30 Jahre)? Sollte man sich (noch) am Wunder der Schöpfung Gottes freuen, in dessen Name Machtkämpfe ausgefochten wurden? Kann man noch einladen zum Lob Gottes, wenn Spuren von Zerstörung ganze Landesteile gezeichnet haben?

Ich frage mich: Wie konnte er die Lebensfreude bewahren, umgeben von Hass und Eigensinn? Wie überwindet man Verbitterung, wenn auch die eigene Familie von den Folgen eines Krieges betroffen ist und Tod zu beklagen ist? Bootsflüchtlinge aus Afrika und Migranten aus zerstörten Städten in Syrien kannte Gerhardt noch nicht.

Paul Gerhard traute Gott zu, dass mit ihm auch in politisch schwierigen Zeiten das Leben wieder lebenswert wird. Mit seinem Lob Gottes lädt er dazu ein, sich „in dieser lieben Sommerzeit“ auf den zu besinnen, der Leben schützt und zum verantwortlichen Leben aufruft.

Ich wünsche allen offene Augen und wache Sinne, um sich neu an den Gaben der Schöpfung Gottes zu freuen. Vielleicht befähigt uns das, mit Überzeugung und Kraft für friedvolles Leben einzutreten.

Burkhard Peter
Superintendent, Pastor in Seggebruch