In Erwartung

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden...

 
Lutz Gräber

Darf man in der Woche vor dem 1. Advent schon Weihnachtslieder im Radio abspielen? NDR 2 hat jetzt seine Hörer abstimmen lassen. Mehrheitliche Antwort: Man darf! Na klar, letztendlich entscheiden wir selbst, was wir wollen, oder nicht. Das gilt heute für unsere persönlichen Bedürfnisse genauso wie für unsere Traditionen. Womit wir nichts mehr anfangen können, das werfen wir innerlich über Bord oder verändern es so, wie wir es für uns gebrauchen können. Und wenn ich jetzt nicht mehr warten will, warum sollen dann nicht gleich Weihnachtsmelodien aufgelegt werden?

Aber warum fällt es uns so schwer, zu warten? „Ich will alles, und zwar sofort!“, ist zu einer Haltung geworden, die zum Ausdruck bringt, dass ich einen Anspruch auf Erfüllung meiner Wünsche habe.

Bin ich gerade knapp bei Kasse, hilft mir der günstige Kredit, habe ich Lust auf Erdbeeren im Januar, muss ich nicht bis zur nächsten Ernte im Juni warten. Und die Lebkuchen und Spekulatius stehen nur deshalb schon im September im Regal, weil sie auch zu dieser Zeit schon Abnehmer finden.

Dabei wissen wir ja schon von vom Warten auf fast jede Urlaubsreise: Vorfreude ist die schönste Freude! In Erwartung zu leben heißt, sein Leben bewusster, freudiger, gespannter zu erleben. Das gilt übrigens besonders von den Erwartungen, deren Erfüllung wir nicht genau terminieren können, die Geburt eines Kindes etwa oder die Hoffnung auf eine noch unerfüllte Liebe.
Vielleicht hilft mir die Adventszeit, das Leben „in Erwartung“ wieder neu einzuüben. Mit meinen Kindern oder auch allein an jedem Tag bewusst eine Tür im Adventskalender zu öffnen oder die Adventssonntage zu gestalten, mir im Advent Zeit zu nehmen für das, was mir an Weihnachten wichtig werden soll und  mich aus dem Stress der Vorweihnachtszeit bewusst heraus zu nehmen.

Dabei können wir in Erwartung auf  Jesus Christus leben, das Kind in der Krippe, auf dessen Ankunft in unserem Leben wir uns auch in diesem Jahr zu Weihnachten freuen dürfen. Er berührt unser Leben in besonderer Weise, gerade weil wir ihn nicht für jedes unserer Bedürfnisse in Anspruch nehmen können. Aber wir dürfen auf ihn hoffen und ihm gespannt und gewiss vertrauen, nicht nur in der Adventszeit.

Lutz Gräber, (Luhden), Schulpastor in Bückeburg