Jeder ist kostbar

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden...

Was ist denn bei Ihnen nach einem Monat aus den Vorsätzen für das neue Jahr geworden? Ich hatte schon wieder einige Niederlagen zu verkraften. Weniger Stress wollte ich mir machen, alles gelassener sehen und nicht jede Begebenheit auf die Goldwaage legen. Na ja... Ganz besonders habe ich mir aber vorgenommen, mehr auf andere Menschen zu achten, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, einerseits toleranter zu sein und andererseits gegen das Misstrauen anzugehen, dass andere permanent etwas von dem wegnehmen wollen, was uns zustehen könnte.

Die Nachrichten im neuen Jahr geben weiter Anlass zur Sorge. Durch die Krise im Nahen Osten und lebensbedrohliche Verhältnisse in vielen afrikanischen Staaten wird die Frage immer drängender: Müssen wir nicht auch bei uns mehr Flüchtlinge aufnehmen und zwar nicht nur in Alibi-Ghettos, sondern mit menschenwürdigen Perspektiven? Teile der neuen „Groko“ haben die negative Stimmung mit ihrer neuen Debatte zur sozialen Abzocke durch Arbeiterinnen und Arbeitern, die aus anderen Ländern  zu uns kommen, allerdings neu entfacht. Weitgehend zu Unrecht, wie sich herausgestellt hat. Aber die berechtigte Sorge vor der eigenen Armut unter uns wächst auch weiter: Weil die eigene Erwerbstätigkeit oft nicht mehr ausreicht, um eine Familie zu ernähren oder die Altersarmut droht, auch oder sogar wegen der neuen Rentenreform.

In dieser Situation wirkt das biblische Wort für die neue Woche geradezu rührend und naiv: „Seht die Werke Gottes an, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschen!“ Da klafft doch eine große und schmerzhafte Lücke: Gott sieht uns Menschen als kostbar an, aber wir so oft als Konkurrenten, lästigen Bittsteller, als Nervensäge oder gar als „Objekt“. Ich wünsche mir und uns, dass es gelingt, unsere Perspektive zu ändern. Wie unendlich wertvoll Menschen sind erleben wir an denen, die wir lieben. Vielleicht können wir auch anderen noch deutlicher zeigen, dass ihre  Wertschätzung und der Einsatz für eine wirkliche Perspektive zu den unaufgebbaren Zielen einer menschenwürdigen Welt gehören.

Lutz Gräber, (Luhden), Schulpastor in Bückeburg