Konflikte – ohne Ende!?

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Steinbergen...

 
Strottmann

Ein Flugzeug wird über der Ukraine abgeschossen und beide Bürgerkriegsparteien schieben der anderen die Schuld am Tod von 298 Menschen zu. Raketen und Granaten schlagen in Israel und im Gazastreifen ein, Terror und Geawalt regieren, als Reaktion blüht der Antisemitismus wieder auf.  Zu diesen und so vielen anderen Konflikten auf der Welt kommt mir ein Vers aus dem Predigttext des letzten Sonntags in den Sinn, nämlich 2. Tessalonicher 3,1-2:  „Betet für uns, dass wir erlöst werden vor den falschen und bösen Menschen.“
Angesichts der oben erwähnten Greueltaten macht mich dieser Vers  nachdenklich: Wer ist denn hier „falsch und böse“ - oder besser: wer ist es nicht? Die Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig, die Spirale aus Hass, Gewalt und Gegengewalt dreht sich weiter, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Die Konfliktparteien flüchten in ein Schwarz-Weiß-Denken,  das den Gegener schlecht macht und den Weg zu Frieden und Versöhnung verbaut.
Als Beobachter bin ich überfordert, sehe fast nur noch das Grauen und das Unrecht und kann die dahinter liegenden Sorgen und Ängste der Beteilgten kaum mehr wahrnehmen.

Paulus weiß sehr wohl, dass das Falsche und Böse zu dieser Welt gehört. Er bleibt dabei aber nicht stehen, sondern richtet seinen und unseren Blick neu aus: „Der Herr richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi (Vers 5)“. Von außen, von Gott her erwartet er die Kraft, Böses zu ertragen und Schritte zum Guten zu wagen. Solche Kraft, solch neuen Blickwinkel braucht es, um aus der Spirale des Bösen herauszukommen. Möge Gott diese Kraft in vielen Menschen in den Konfliktregionen stark machen und Wege zu Verständnis und Versöhnung weisen. Möge er uns den liebevollen Blick auf die Opfer bewahren und uns die Soregn und Anliegen der Menschen auf allen Seiten ernst nehmen lassen.

Stephan Strottmann, Pastor in Steinbergen