Leben ohne falschen Ehrgeiz

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Kategorie: Andacht
Erstellt von Pastor Stephan Strottmann

Die Andacht von Pastor Stephan Strottmann

 
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Stephan Strottmann

Ehrgeiz - ein altes und doch zugleich sehr modernes Wort. Von seiner alten Bedeutung her geht es um "Gier" - um die Gier nach Ehre, nach Ansehen und Macht. Genau das macht den Ehrgeiz schwierig: Er ist unersättlich, will immer mehr erreichen und haben.

So ist Ehrgeiz einerseits Antriebsfeder unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Fortschritt und Wohlstand leben letztlich vom Ehrgeiz der Menschen. Andererseits aber übt Ehrgeiz Druck auf uns Menschen aus: Wenn wir immer besser werden sollen, geht uns irgendwann die Luft aus. Wenn nur Bestleistungen zählen, verliert das Normale, Durchschnittliche seinen Wert - und damit schnell auch die Menschen, die solch ehrgeizige Ziele nicht erreichen. Nicht umsonst zerbrechen immer mehr Menschen daran, dass sie nicht mehr mithalten, den eigenen oder fremden Ansprüchen nicht gerecht werden können.

"Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte" - dieses Erfahrungswort aus Psalm 103,8 atmet einen ganz anderen Geist: Hier wird ein Gott sichtbar, der Nachsicht zeigt, Ruhe gönnt und aufrichtet. Diese Zusage entlässt mich nicht aus der Verantwortung für mein Leben. Aber sie hilft mir, meine Grenzen und auch mein Scheitern gelassener zu sehen.

Die Fastenaktion "7 Wochen ohne", die Aschermittwoch begann und bis Ostern reicht, steht in diesem Jahr unter dem Motto "Gut genug! - sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz." Sie lädt ein, unser Streben nach Ansehen und Erfolg zu hinterfragen. Und sie will Raum schaffen, es uns in aller Begrenztheit auch einmal gut gehen zu lassen; es gut sein zu lassen auch in Normalität und Scheitern. So können die nächsten Wochen spannend und bereichernd werden - versuchen wir es doch mal!


Stephan Strottmann ist Gemeindepastor in Steinbergen