Leicht sein

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bergkirchen...

„Weißt du, was ich im Herbst immer wieder faszinierend finde in der Schöpfung Gottes?“, fragt der Vater die Tochter, während sie zusammen gehen. „Nein“, antwortet sie. Woher wüssten wir, wie wir leben sollen, zusammenleben sollen, wenn wir nicht an etwas glaubten, das größer ist als wir? Wer sagt denn den Kranichen, wann sie in wärmere Gefilde  aufbrechen müssen? Für mich ist atemberaubend, dass sie alle zeitgleich aufbrechen wie in einem Moment.
„Wenn ich später“, so das Kind, „aufbrechen möchte, dann möchte ich ganz leicht sein und zu Opa gehen“. – „Wie zu Opa gehen?“ – „Opa ist gestorben und trotzdem ist so viel von ihm bei mir. Es gibt Momente, da spüre ich sein zartes Lächeln in und eine tiefe Geborgenheit in meinem Herzen. So wie ich mit Opa zusammen war beim Anbucken, wenn ich ganz nah an ihn herangerückt bin“. „Opa hat es dir leicht gemacht als er starb, denn er war alt und krank!?“ – „Ja, später möchte ich ganz leicht werden wie die Kraniche und nach Hause fliegen zu Opa“. Leicht werden!

Ja, denke ich, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht hinein kommen, sagt  Jesus. So leicht sind wir nur, wenn wir vertrauen können, dass Gottes Geborgenheit uns trägt über den Tod und das Sterben hinaus. Es ist wie bereit zu sein, zu werden für den letzten Aufbruch, nach all den anderen vielen kleinen Aufbrüchen im Leben. Es ist ja gar nicht der eine große Aufbruch, sondern immer wenn ein Mensch stirbt, brechen wir mit auf. Der Tod trifft nicht nur den der stirbt, er trifft uns alle. Ja, dann Vertrauen geschenkt bekommen macht leicht.

Reinhard Zoske, Pastor in Bergkirchen