Mehr als Tattoos

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden...

 
Lutz Gräber

Momentan ist es bei Schülerinnen und Schülern so um die 14 richtig hip, sich die Unterame und Handrücken zu bemalen und vollzukritzeln. Egal was draufsteht, Hauptsache, man hat am besten jede Menge Kugelschreibertattoos. Selbst Verabredungen und Telefonnummern werden sofort auf die Hand geschrieben.

Wieder so eine Mode, bei der man nicht außen vor bleiben darf? Oder ist das nicht auch ein Austesten gegenüber der Elterngeneration: Wie weit kann ich gehen bis der moralische Zeigefinger wieder zum Vorschein kommt, weil hier eine Grenze des guten Geschmacks (wie du wieder rumläufst, was sollen die anderen denken!) und der Hygiene (Mensch, wenn das ins Blut geht!) überschritten wird?

In vielem, was sie tun, halten die Jugendlichen uns Erwachsenen ja einen Spiegel vor die Augen. Wie oft lassen wir die Grenzen des guten Geschmacks hinter uns, wenn wir uns an den immer ekligeren und entwürdigenderen Aufgaben der Dschungelcampprotagonisten ergötzen oder uns selbst zu Pseudojugendlichen machen, weil wir das Älterwerden nur schwer ertragen können. Und auch unsere Emotionen haben wir nicht immer gut im Griff.

Mir ist in den letzten Tagen der biblische Spruch für den neuen Monat Februar des öfteren durch den Kopf gegangen: „Pass auf, dass nicht das Licht in dir Finsternis ist“, schreibt der Evangelist Lukas. In einer Welt, in der wir immer mehr auf Äußerlichkeiten achten, bleiben die inneren Werte oft auf der Strecke. Ich freue mich über alle, die durch ihr Auftreten und Handeln etwas ausstrahlen, in deren Augen ein positives Leuchten liegt, in deren Tun eine Bereitschaft zu spüren ist, das Gute zu tun, ohne nur nach dem eigenen Vorteil zu fragen. Ich denke, mehr denn je sind wir auf dem Weg, viele positive Anlagen durch jede Menge selbstgemachte Finsternis zu ersticken.

Daran erinnern mich die Kugelschreibertattoos. Die Jugendlichen stellen mir damit eine doppelte Frage: „Worin sieht du eigentlich den Sinn in deinem Leben, welche Schwerpunkte setzt du?“ Und, wenn ich eigentlich schon so weit bin, die Schüler zum gründlichen Abwaschen ihrer Kunst in den Waschraum zu schicken, geht mir die zweite Frage durch den Kopf: „In wie weit bin ich eigentlich mit mir im Reinen?“

Lutz Gräber, (Luhden) , Schulpastor in Bückeburg