Nicht aus der Welt

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Engern...

 

R. Koller

„Na, dann seid ihr ja nicht aus der Welt!“ sagten Freunde, als wir ihnen unseren neuen Wohnort mitteilten.
Das Sprichwort meint die Freude darüber, in vertrauter Nähe zu bleiben. Wirklich aus der Welt zu sein, würde ja, wörtlich genommen, den Tod bedeuten. Ansonsten können wir selbst bei großen Entfernungen durch die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten Verbindungen gut erhalten – wenn wir's denn tatsächlich tun.

Aus der Welt zu sein – das wünschen wir uns in keiner Hinsicht, wo immer wir leben. Mit guten Worten der Bibel werden wir daran erinnert, dass es aber noch mehr gibt als das Weltliche. „Was nützt es einem Menschen,“ fragte Jesus, „wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben dabei verliert?“ Kann man das?

Meine Frau und ich müssen schmunzeln und manchmal stöhnen, wenn wir an all das Zeug denken, das wir vorm Umzug wegschmeißen. Bücher und Kleinkram, Liebgewonnenes und Überflüssiges. So ergeht's den meisten Leuten. Wir sammeln und sammeln – aber vergessen leicht die inneren Schätze, ohne die der Mensch schlecht dasteht. Fangen wir an, uns auch um sie zu kümmern, damit sie uns tragen? Es wird eng, wenn wir uns zu sehr an die äußeren Dinge klammern. Dann haben wir wenig Reserven für die Kräfte der Seele – gerade, wenn's drauf ankommt. Dann verlieren wir uns trotz aller sichtbaren Fülle, sind haltlos und – um im Bild zu bleiben – „aus der Welt“. Jesus wollte das nicht. Sein Glaubensziel für andere war aber auch nicht, weltfremd-verträumt zu werden, sondern das Leben in ihm zu finden - mitten in der Welt, solange wir leben und darüber hinaus.

Reinhard Koller, Pastor in Engern