Niederlage und Sieg

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 
Jörg Böversen

Spanien trauert und ist verstört. Das sonst so laute Madrid ist leise. Das rot-gelbe Fahnenmeer ist von der Straße verschwunden. Tränen und Wut im Estádio Maracanã in Rio de Janeiro - und in ganz Spanien. Sowohl Fußballer als auch spanische Zuschauer hatten am Mittwoch Tränen in den Augen, warfen sich enttäuschte Blicke zu und konnten es gar nicht fassen, dass der „ihr“ Weltmeister von 2010 bereits in der Vorrunde ausgeschieden ist. „Spanien dankt ab!" „Der Untergang des Weltmeisters.“ „Tiki, Taka , Tot!“ So titeln die Zeitungen in ihren Ausgaben. Ich muss ehrlich gestehen: Diese WM hat auch mich emotional mitgerissen. Was für Spiele und was für Tore. Mit welcher Leidenschaft da gespielt wird. Favoriten stürzen und Mannschaften, mit denen niemand gerechnet hat, gewinnen. Sieg oder Niederlage. Freude, Trauer, Jubel oder Wut. Das Ziel erreichen oder daran scheitern - das ist die Frage!

Wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich: „Wie gehe ich persönlich mit Niederlagen um?" Mit Niederlagen in meinem eigenen Leben. Wo ich Ziele gesetzt habe und doch letztlich das Gefühl in mir spüre, versagt zu haben? Wo Hoffnungen in mich gesetzt wurden und ich es nicht geschafft habe? Da wird jemand  in einem Betrieb angestellt und soll ihn neu aufbauen. Es fordert seine ganze Kraft und Zeit. Er arbeitet, er hängt sich rein, er pflegt Beziehungen. Aber es passiert nicht viel. Es kommen keine neuen Aufträge dazu. Das setzt ihn unglaublich unter Druck. Und das lässt ihn an seinen eigenen Fähigkeiten zweifeln. Vielleicht kennen wir das auch in unserem Leben - dass man an Grenzen stößt, dass man Niederlagen erlebt. Dass man es einfach nicht schafft - persönlich, im Beruf, in der Schule, in der Partnerschaft?
 
Jesus erlebte auch eine unbegreifliche Niederlage. Er wurde schuldlos verurteilt, brutal geschlagen, und umgebracht. Seine Mission war menschlich gesehen gescheitert. Es hat ihn nicht nur seinen Ruf oder sein Ansehen gekostet – sondern sein Leben. Es war absolut aus. Er war am Ende.  Aber dann geschieht das Unglaubliche: Jesus steht vom Tod wieder auf. Mit göttlicher Kraft besiegt er das Böse, wischt er das Zerstörerische des Lebens beiseite und kommt aus dieser Niederlage als Sieger heraus.

Auf einmal wird mir etwas klar: Jesus macht aus einer Niederlage, aus einem Scheitern, aus einem Versagen etwas Neues. All dieses gilt mir. Er schenkt den Sieg - obwohl ich gescheitert bin. Gerade, wenn ich selbst nicht mehr kann - dann ist er am stärksten wirksam. Denn seine Kraft ist gerade dann besonders stark, wenn ich selbst schwach und hilflos bin. Daran will ich denken, wenn ich das nächste Mal am Boden liege.

Jörg Böversen, Pastor in Stadthagen