Nikolaustag

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Pollhagen...

 
Herde

Als Kind fand Nikolaus den eigenen Namen manchmal komisch. Die anderen Kinder fanden das auch. „Hallo Nikolaus, hast du meine Geschenke? Wo ist dein weißer Bart? Du wirst ja ganz rot. Das passt  zu dir, Nikolaus!“ Solche und ähnlich Sachen haben sie ihm nachgerufen. Heute ist Nikolaus 32 Jahre alt. Inzwischen mag er seinen Namen. Besonders heute. Denn heute ist Nikolaustag. Namenstag für ihn und alle, die so heißen. Er hat sich vorgenommen, an diesem Tag andere Menschen zu beschenken. So, wie sein Namensgeber vor vielen Jahrhunderten. Doch er wird dazu weder einen langen roten Mantel tragen noch einen weißen Bart. Lediglich einen roten Schal trägt er über seinem Anorak. Das reicht aus für ihn als Nikolaus.

So geht er aus seiner Wohnung in die Stadt. Zuerst kauft er einen großen Strauß roter Rosen. „Sind die für einen besonderen Anlass?“ fragt die Verkäuferin am Stand lächelnd. „Für Nikolaus“ antwortet Nikolaus. „Ach ja natürlich!“ erwidert die Verkäuferin. Die Rosen verteilt Nikolaus im Laufe des Vormittags unerkannt in der Stadt. Bei manchen Autos klemmt er heimlich eine Rose hinter den Scheibenwischer. Auch in den Briefkästen einiger Häuser finden sich die Rosen, nachdem Nikolaus dort vorbei gegangen ist.
Neben Rosen verschenkt Nikolaus heute Freundlichkeit. Alle Menschen, denen er begegnet, finden in ihm ein freundliches Gegenüber. Er lächelt viel und findet auch die passenden Worte dazu. Außerdem verschickt er im Laufe des Vormittags ein paar  fröhliche Botschaften mit einem Smiley auf Whatsapp. „An Freundinnen und Freunde von Nikolaus“. Mit einem Freund hat er sich verabredet, nachmittags in einem kleinen Cafe. Sich gegenseitig Zeit zu schenken kann wunderschön sein, findet er.

Nikolaus hat mit seinen kleinen Aktionen zum Namenstag begonnen, als er vor einigen Jahren vom echten Nikolaus und seinen Geschichten gehört hat. Dem Bischof von Myra, das in der heutigen Türkei liegt. Dass dieser hilfreiche Bischof sein Namensgeber gewesen ist, hat ihn gefreut. Seitdem versucht er, seinem Namen ein klein wenig Ehre zu machen, auf seine Weise. Die vielen Kopien des Nikolaus, die es inzwischen gibt, interessieren ihn dabei wenig.

Bis zum Treffen mit seinem Freund ist noch Zeit. Es fängt an zu regnen. Nikolaus stellt sich an einer Bratwurstbude auf dem Markt unter und bestellt eine Currywust. Neben ihm steht eine Frau. Sie hat ebenfalls vor dem Regen Schutz gesucht. Jetzt stehen beide am Stand und essen Currywurst und Pommes. An der nahen Kirche läuten die Glocken. Neben der Frau liegt eine Rose . Nikolaus blickt interessiert dorthin. „Die war hinter dem Scheibenwischer meines Autos.“ Sagt sie. „Einfach so. Toll, nicht? Ich habe beschlossen, sie an jemand anderen weiter zu schenken. Passend zum Nikolaustag!“ Die beiden verabschieden sich. Beim Gehen fallen Nikolaus die roten Schuhe der Frau auf.

Pastor Uwe Herde, Pollhagen