Österlich leben

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Probsthagen...

Österlich leben
Allem anderen zum Trotz

„Der Weg muss gegangen werden“ sagte sie mir und meinte damit eine bevorstehende Krebsoperation. Ihre Worte haben mich bewegt – und getröstet, denn sie fuhr mit den Worten fort: „Dennoch schaue ich voller Gottvertrauen nach vorne – fühle mich IHM sehr nah. Ich habe liebe Menschen an meiner Seite, die mich unterstützen.“ Wunderbar, wenn ein Mensch so denken, empfinden und glauben kann – eine österliche Einstellung. Vor wenigen Tagen haben wir das wichtigste Fest der Christen feiern können. Und es war zu lesen: Ostern ist das neue Weihnachten, nur ohne Stress.
Die Botschaft von Ostern ist bahnbrechend: der Tod ist tot, oder anders ausgedrückt: Schluss mit dem Schluss.

Der Tod in all seinen Facetten am Ende und inmitten unseres Lebens hat seinen letzten Schrecken verloren. Er bleibt „todsicher“, begegnet uns in vielerlei Gestalt auch in den vielen Toden inmitten unseres Lebens, doch ist er keine Sackgasse mehr - eher eine Einbahnstraße, die zu Gott führt.
Leere Worte? Vertröstung aufs Jenseits? Wohl kaum. Denn der Auferstandene wartet nicht nur am Ende der Zeiten auf uns, sondern mitten in unserem Leben. Wir können schon im Heute seine Kraft erfahren. Das Einzige, was wir tun müssen, ist: offen sein für ihn, denn er drängt sich nicht auf. Das ist nicht sein Stil.

Martin Buber überlieferte folgende Geschichte (aus „Die Erzählungen der Chassidim“): Zwei Knaben spielen miteinander Verstecken. Jechiel versteckt sich gut und wartet … und wartet …. und wartet. Es kommt niemand. Nach langem Warten wagt er sich aus seinem Versteck. Sein Freund ist nirgends zu sehen. Der hat ihn von Anfang an gar nicht gesucht. Jechiel ist traurig. Weinend läuft er zu seinem Großvater und beklagt sich über den bösen Spielgenossen. Da kommen dem Großvater die Tränen. Er sagt „Genau so spricht auch Gott. Ich verstecke mich, aber keiner will ich suchen“.
Vielleicht können wir gemeinsam die Kraft der Stille neu entdecken, unser Leben entschleunigen.
Gott hält uns durch Jesus seine Hand entgegen und bietet uns an: ich will immer bei Dir sein, Du kannst Dich auf mich verlassen. Und wenn auch wir einmal sagen müssen „der Weg muss gegangen werden“ dürfen wir erfahren: ja, aber nicht alleine. Er ist an unserer Seite, der uns in unserer Angst sieht und spricht „Fürchte dich nicht!“

Anne Riemenschneider, Pastorin in Probsthagen