Ostern – Aufstehen gegen den Tod!

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Dr. Karl-Hinrich Manzke

Dr. Karl-Hinrich Manzke

Ostern ist das Größte! Ostern ist das größte Fest, das die Welt feiern kann! Ostern ist die Geburtsstunde des christlichen Glaubens und das Großartigste, was das Christentum zu bieten hat! Die Lieder und Texte der Ostertage machen miteinander deutlich: Die Botschaft dieses Festes sprengt alle Dimensionen, in denen wir Menschen gewohnt sind zu denken, zu reden und zu handeln. Nur der gesunde Vogel fliegt. Der Stein, den ich aus der Hand fallen lasse, fällt, von der Schwerkraft gezogen, zu Boden. Elefanten reden nicht. Der leblose Leib verwest – und Tote schlafen fest und stehen nie wieder auf. Das sind nun einmal die Gesetze der Natur, denen alles unterworfen ist. Das scheint festzustehen – tot ist tot. Da helfen keine Pillen und keine Beschwörungen.
Die Worte, die am Ostermorgen am Grabe Jesu von Nazareth gesprochen werden, erheben nicht weniger als den Anspruch, die Grenzen zu sprengen, in denen sich menschliches Leben bewegt. Es sind Worte gegen die Schwerkraft. Der Gekreuzigte lebt, Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt! Diese Worte enthalten die gewagte Botschaft des Osterfestes in Konzentration. Weil sie davon sprechen, dass es hier nicht um einen symbolischen oder übertragenden Sinn geht, in dem das Aufstehen gegen das Leben zu verstehen ist. Sie sind konkret gemeint. Das Grab Jesu war am Ostermorgen leer. Er ist nicht in der Totenwelt und bei den Toten geblieben. Das ist auch historisch, wenn man andere antike Ereignisse in ihrer historischen Wahrheit abklopft, außerordentlich gut bezeugt:
Von Anfang an hat das Christentum darauf Wert gelegt, mit dieser Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi Herz und Verstand, Emotionen und das vernünftige Denken gleichzeitig anzusprechen. Ganzheitlich kann und soll diese Botschaft auch befragt werden. Die Botschaft, dass mit der Auferstehung Jesu von Nazareth eine Bewegung zum Leben in die Welt gekommen ist, der keine Todesmacht widerstehen kann.

Das ist mit der Vernunft schwer zu fassen. Besonders an den Gräbern derer, die uns vorausgegangen sind. Dennoch bleibt festzuhalten: Diese Osterbotschaft hat die Kultur unseres Landes, die Kultur der Welt bis zum heutigen Tag geprägt. Ich weiß, dass diese Welt ist. Dass ich in ihr stehe und an ihre Grenzen und Möglichkeiten gebunden bin und dass in ihr schwierig auszudrücken ist, was wir ihren Sinn nennen. Dass dieser Sinn nicht in ihr liegt, sondern außer ihr.
An Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht abgetan ist. An Gott glauben heißt, seit Ostern sehen, dass das Leben einen Sinn in sich hat, der mein eigenes Denken und Fühlen und Wissen übersteigt. Dieser Osterglaube muss sich bewähren. Statt nur sich selber zu leben und zu sterben, muss die Christenheit gleichsam ein Vortrupp des Lebens sein gegen alles, was Menschen auf Erden den Tod zu bringen droht. Wer für sich auf das ewige Leben hofft, muss für das irdische Leben der anderen Sorge tragen. Solche Fürsorge bedeutet angesichts des vielfachen Todes in der Welt, dass Menschen, die den Osterglauben in sich aufnehmen und ihm Folge leisten möchten, aufstehen gegen jeden gewalttätigen Eingriff in das Leben der Menschen und aufstehen, wo andere diskriminiert und kleingemacht werden sollen. Den Osterglauben in sich tragen und weitergeben heißt, da zur Seite stehen, wo Lebensmüde für sich selbst und andere keine Zukunft mehr sehen und den Menschen zur Seite stehen, die von einer Krankheit gezeichnet dem Tode entgegen gehen. Das geschmückte Grab auf dem gepflegten Friedhof ist nicht die Endstation aller bürgerlichen Wünsche und Sehnsüchte, sondern Zeichen für die uns geschenkte Zukunft über den Tod hinaus.

Die Osterbotschaft in sich zu tragen heißt, an die Gräber unserer Lieben zu gehen, die uns vorausgegangen sind, mit der hoffenden Erwartung, sich dann, wenn diese Welt neu wird, in neuer Gestalt wieder zu sehen.

Matthias Claudius, einst zu Gast in Bückeburg bei der Taufe des 2. Sohnes von Johann Gottfried Herder, schrieb an seinen Sohn Andres: „Mein Junge, ich bin davon überzeugt: Wir brauchen jemand, der uns hebt und hält, während wir leben – und uns die Hand unter den Kopf legt, wenn wir sterben sollen. Und ich bitte dich, halte das fest: Das kann Christus überschwänglich, nach dem, was von ihm geschrieben steht. Und wir wissen keinen, von dem wir es lieber hätten. Wir beide wollen an ihn glauben, mein lieber Andres, und wenn auch niemand mehr an ihn glaubte!“

Ostern will aufrichten und uns aufstehen lassen gegen alle Todesmächte, die unser persönliches und das menschliche Zusammenleben bedrohen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe und Sie wahrhaft aufrichtende Ostertage!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Dr. Karl-Hinrich Manzke
Landesbischof