Ostern mit verhülltem Kreuz

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Seggebruch...

 
B. Peter

Bei ihrem Blick zum Altar staunen einige, als sie am Ostermorgen unsere Kirche in Seggebruch betreten. Der gewohnte Anblick des mächtigen Kreuzes ist verstellt. Das Kreuz ist verdeckt von einem weißen Laken. Der Strahl der aufgehenden Sonne aus dem Osten lässt das Kreuz nur schemenhaft erkennen. Umso mächtiger wirken die großen Buchstaben auf dem Laken: Der Herr ist auferstanden.

Darf man das Kreuz verhüllen, so habe ich mich zwei Jahre gefragt? Gleichzeitig meldete sich die Stimme in mir: wir müssen dem Sieg des Lebens über den Tod eine sichtbare Gestalt geben. So kam es, dass in den Wochen nach Ostern über dem Altar unserer Kirche nicht das Kreuz in die Augen sticht, sondern die unglaubliche Nachricht: Der Herr ist auferstanden.

Am ersten Ostermorgen haben Frauen in Jerusalem dies von ihrer Entdeckung am Grab Jesu berichtet. Langsam stellte sich Gewissheit ein: der Grabstein ist vom Grab weggerollt, der Leichnam liegt nicht  mehr im Grab, Engel stellen die verblüffende Frage: was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?

Die Frauen überraschten mit ihrer Botschaft vom auferstandenen Herrn die in Starrheit verfallenen Jünger. Sollte das Vergängliche zu neuem Leben erweckt worden sein?

Der Herr ist auferstanden- er ist wahrhaftig auferstanden: dies Bekenntnis findet sich nicht damit ab, dass alles Körperliche vergänglich ist. Es ist ein Plädoyer für das Leben, das sich nicht einschüchtern lässt vom Tod. Der Engel Gottes hat es in Umlauf gebracht, und unzählige Menschen haben sich dem angeschlossen. Der Tod ist eine natürliche Grenze aber nicht das Ende.  

So hat nicht ein Apell, sondern Kraft Gottes einen Aufbruch für das Leben angestoßen. Daran erinnern wir mit unserem weißen Laken und den Worten: Der Herr ist auferstanden. Diesen Aufbruch für das Leben erlebe ich bei vielen Menschen, die das Fest der Auferstehung feiern, die sich den drängenden Aufgaben in unserer Gesellschaft stellen und dabei Menschen Hoffnung schenken, die auf einen neuen Anfang in Frieden warten. Diesen Aufbruch erlebe ich auch bei Frauen und Männern, die nach schmerzlicher Trennung durch Krankheit und Tod neuen Lebensmut finden. Die Hoffnung auf eine neue Zukunft wird dabei lebendig.

In den Ostertagen verabschieden wir uns nach dem Abendmahl am Altar mit dem wechselseitigen Gruß: Der Herr ist auferstanden- Er ist wahrhaftig auferstanden. Dabei fassen wir uns an der Hand. So erlebe ich Weggemeinschaft von Menschen, die dem Leben vertrauen und bereit sind, anderen zu einem gelingenden Leben zu helfen.
Ich wünsche allen, einzutauchen in den Sieg Gottes über den Tod für ein zuversichtliches Leben: frohe und gesegnete Ostern.

Dr. Burkhard Peter, Superintendent in Seggebruch