Perspektivenwechsel

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden...

Die Gefühle sind ein Spiegel unserer Seele. Wir können uns ihnen nur schwer entziehen, sie bestimmen unser Leben maßgeblich mit.
Das ist ja eigentlich ein positiver Ausdruck von Spontaneität. Problematisch daran ist für mich vor allem, dass diese Gefühlslage oft negativ geprägt ist. Ein häufig genanntes Gefühl ist das der Enttäuschung, eine starke, sehr persönliche Empfindung. Enttäuschte Erwartungen kränken uns -eigentlich hatten wir uns die Reaktion auf unsere Arbeit ganz anders vorgestellt, wir hatten es doch so gut gemeint. Mein Lieblingsverein -aus Enttäuschung ist mein ganzes Wochenende verdorben und noch mehr als ich leidet meine Frau. Eine enttäuschte Liebe zieht noch mehr negative Gefühle nach sich: Wut, Eifersucht, Trauer... Es braucht oft nicht viel, um von Menschen oder Institutionen maßlos enttäuscht zu sein.
Enttäuschung entsteht, wenn wir uns etwas erhoffen und dies nicht eintrifft. Machen wir uns also selbst zu etwas vor oder schrauben wir unsere Erwartungen zu hoch? Auf jeden Fall gilt: Bei Enttäuschungen müssen wir unsere Vorstellungen korrigieren, weil sie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Sie konfrontieren mich mit mir selbst.

Darin haben sie aber auch etwas Positives: In der Ent-Täuschung liegt die Befreiung von einer Täuschung, von der wir uns blenden lassen. Wir selbst sind also mehr oder weniger mitverantwortlich für unsere Enttäuschungen. Heißt das im Umkehrschluss, dass derjenige am glücklichsten ist, der am wenigsten erwartet, weil er dann nie enttäuscht werden kann? Ich denke: Nein. Wir alle leben von positiven Erwartungshaltungen. Sie motivieren uns und erzeugen Vorfreude in uns. Problematisch ist nur der Umgang mit Erwartungen, die sich nicht in gewünschter Weise erfüllen. Für mich ergibt sich aus der Befreiung von der Täuschung auch die Möglichkeit einer neuen Perspektive: Nicht so, dass ich in Wut, Ärger, Depression oder einer Trotzreaktion wegen meiner enttäuschten Hoffnungen versinke, sondern mich nach dem Fundament frage, was mich trägt und neu anfangen lässt.

Über dem Monat Januar steht für mich dazu ein wunderbares Bibelwort. „Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." Gott selbst spricht uns damit an und sagt uns: „Ihr seid mir viel zu wichtig, um euch von Enttäuschungen niederdrücken zu lassen. Ich gebe euch Kraft und die Perspektive, neu zu beginnen. Weil ich euch vertraue und an eurer Seite bin!“

Lutz Gräber, (Luhden), Schulpastor in Bückeburg